Das Wichtigste in Kürze:
- Kappzaum und Dual-Longe sind pferdefreundliche Alternativen zu klassischen Hilfszügeln, die es ermöglichen, das Pferd zu longieren oder zu führen, ohne Druck aufs Maul auszuüben.
- Der Kappzaum ist ein spezielles Halfter mit verstärktem Nasenriemen, an dem die Longe direkt befestigt wird – er ermöglicht präzise Einwirkung ohne Gebiss und fördert echte Losgelassenheit.
- Die Dual-Longe (auch Doppellonge) wird mit zwei Longenleinen gearbeitet, die dem Pferd seitliche Begrenzung und Führung geben, ohne es in eine Position zu zwingen – sie simuliert die spätere Zügeleinwirkung.
- Der größte Vorteil dieser Alternativen: Sie ermöglichen reelle Ausbildung ohne mechanischen Zwang, das Pferd lernt Selbsthaltung statt sich auf einen Hilfszügel zu verlassen.
- Beide Methoden erfordern allerdings mehr Können und Übung vom Longenführer als das simple Verschnallen von Ausbindern – sie sind anspruchsvoller, aber auch nachhaltiger und pferdefreundlicher.
Nach zehn Artikeln über verschiedene Hilfszügel – von den relativ harmlosen bis zu den hoch problematischen – stellt sich die Frage: Geht es nicht auch ganz ohne? Die Antwort lautet: Ja, in den meisten Fällen. Es gibt Alternativen, die es ermöglichen, Pferde sinnvoll zu longieren, zu arbeiten und auszubilden, ohne ihnen mechanische Begrenzungen anzulegen. Diese Alternativen erfordern mehr Können vom Menschen, mehr Zeit, mehr Geduld – aber sie führen zu Pferden, die wirklich gelernt haben, sich selbst zu tragen, statt sich nur gegen oder in einen Hilfszügel zu arrangieren. Zwei dieser Alternativen wollen wir hier genauer betrachten: den Kappzaum und die Dual-Longe.
Der Kappzaum: Präzision ohne Druck aufs Maul
Der Kappzaum (auch Cavesson, Serreta oder Kappzaumhalfter genannt) ist eines der ältesten Ausbildungswerkzeuge der klassischen Reitkunst. Schon in der Renaissance wurde er verwendet, und bis heute schwören klassische Ausbilder auf dieses einfache, aber geniale Hilfsmittel.
Was ist ein Kappzaum? Ein Kappzaum sieht aus wie ein stabiles Halfter, hat aber einen deutlich verstärkten Nasenriemen – meist aus mehreren Lagen Leder, manchmal mit einer Metalleinlage versehen. Auf der Nase befinden sich drei Ringe: einer mittig und je einer seitlich. An diesen Ringen wird die Longe befestigt, je nachdem, welche Einwirkung man erzielen möchte.
Die Verschnallung: Damit der Kappzaum seine Funktion erfüllen kann, muss er absolut korrekt sitzen – und das ist anspruchsvoller als bei einem normalen Halfter:
- Der verstärkte Nasenriemen liegt etwa zwei Finger breit unter dem Jochbein
- Er muss so fest verschnallt sein, dass er nicht verrutscht, darf aber nicht so eng sein, dass er die Atmung behindert
- Der Genickriemen sollte so sitzen, dass er den Kappzaum stabilisiert, ohne zu drücken
- Der Kinnriemen verhindert, dass der Nasenriemen nach oben rutscht
- Backenstücke müssen so eingestellt sein, dass nichts scheuert oder ins Auge drückt
Ein schlecht sitzender Kappzaum kann scheuern, drücken und das Pferd stören. Die korrekte Anpassung ist daher essentiell – und nicht trivial.
Die Wirkungsweise: Der große Vorteil des Kappzaums ist offensichtlich: Er wirkt nicht auf das Maul, sondern auf die Nase. Das bedeutet:
- Kein Druck auf das empfindliche Gebiss
- Keine Gefahr von Verletzungen im Maul
- Das Pferd kann während der Longenarbeit kauen, lecken, entspannen
- Besonders geeignet für junge Pferde, die noch kein Gebiss gewohnt sind
- Ideal für Pferde mit Maulproblemen, Zahnproblemen oder Verletzungen
Die Einwirkung über die Nase ist präzise, aber auch direkt. Ein ruckartiger Zug an der Longe überträgt sich unmittelbar auf die Nase – was unangenehm bis schmerzhaft sein kann. Der Kappzaum verzeiht grobe Longenführung weniger als eine Trense. Das ist gleichzeitig ein Nachteil (erfordert mehr Können) und ein Vorteil (zwingt den Longenführer zu feiner, präziser Arbeit).
Longieren mit dem Kappzaum: Beim klassischen Longieren wird die Longe am mittleren Ring des Kappzaums befestigt. Diese zentrale Befestigung ermöglicht:
- Gleichmäßige Einwirkung auf beide Seiten
- Klare Signale für Tempowechsel und Übergänge
- Möglichkeit zur Stellung und Biegung (durch leichtes Annehmen der Longe)
- Freie Bewegung des Pferdes ohne mechanische Begrenzung
Das Pferd läuft am Kappzaum in völliger Freiheit, was die Kopf-Hals-Position angeht. Es kann sich dehnen, sich aufrichten, kann experimentieren. Der Longenführer gibt über die Longe Impulse, aber zwingt nicht. Das Pferd lernt, sein Gleichgewicht selbst zu finden, seinen Rücken selbst zu nutzen, eine Anlehnung selbst zu suchen.
Die Herausforderung: Genau diese Freiheit ist auch eine Schwierigkeit. Ein Pferd am Kappzaum läuft nicht automatisch „schön“ – es muss lernen, die gewünschte Haltung aus eigenem Antrieb einzunehmen. Das erfordert vom Longenführer:
- Exzellentes Timing bei der Hilfengebung
- Feines Gefühl für das richtige Maß an Einwirkung
- Geduld, dem Pferd Zeit zum Lernen zu geben
- Die Fähigkeit, das Pferd zu lesen und zu verstehen, was es gerade braucht
- Konsequenz ohne Härte
Ein Pferd am Kappzaum zu longieren ist anspruchsvoller als mit Ausbindern – aber es ist auch echter, ehrlicher, nachhaltiger. Das Pferd entwickelt echte Selbsthaltung statt sich nur gegen einen Hilfszügel zu arrangieren.
Wann ist der Kappzaum die bessere Wahl als Hilfszügel?
Der Kappzaum ist in vielen Situationen die überlegene Alternative zu Hilfszügeln:
Bei jungen Pferden in der Grundausbildung: Bevor ein Pferd überhaupt gelernt hat, mit einem Gebiss umzugehen, kann es am Kappzaum erste Erfahrungen mit Longenarbeit sammeln. Es lernt, auf die Stimme zu hören, Tempo zu variieren, auf dem Zirkel zu laufen – alles ohne Druck im Maul.
Bei Pferden mit Maulproblemen: Zahnprobleme, Verletzungen im Maul, Zungenprobleme – all das macht Gebissarbeit unangenehm oder unmöglich. Der Kappzaum ermöglicht Training, ohne das Maul zu belasten.
Bei der Rehabilitationsarbeit: Nach Verletzungen oder längeren Pausen brauchen Pferde einen sanften Muskelaufbau. Am Kappzaum können sie ohne mechanische Einschränkung arbeiten, ihr Tempo selbst finden, sich dehnen, wie sie es brauchen.
Bei Pferden, die Probleme mit Hilfszügeln entwickelt haben: Ein Pferd, das durch falschen Einsatz von Hilfszügeln resigniert, verspannt oder traumatisiert wurde, kann am Kappzaum neu lernen, dass Arbeit ohne Zwang möglich ist.
Bei fortgeschrittener Ausbildung: In der hohen Schule der klassischen Reitkunst ist der Kappzaum unverzichtbar. Komplexe Lektionen, Piaffe, Passage, Levade – all das wird zunächst am Kappzaum erarbeitet, bevor es unter dem Sattel verfeinert wird.
Der Kappzaum ist weniger geeignet, wenn:
- Der Longenführer noch keine Erfahrung hat (dann ist ein simples Halfter zum Üben besser)
- Man schnelle Ergebnisse ohne Aufwand erwartet
- Das Pferd extreme Verhaltensprobleme hat, die erst durch Bodenarbeit gelöst werden müssen
- Der Kappzaum nicht korrekt angepasst werden kann (schlechter Sitz macht alles zunichte)
Die Dual-Longe: Seitliche Führung ohne Zwang
Die zweite wichtige Alternative ist die Arbeit mit der Dual-Longe, auch Doppellonge oder Langzügel genannt. Hier arbeitet man mit zwei Longenleinen, die ähnlich wie später die Zügel beim Reiten eingesetzt werden.
Der Aufbau: Bei der Dual-Longe werden zwei Longen verwendet, die entweder am Kappzaum, an einem Trensenzaum oder an einem speziellen Dual-Longen-Halfter befestigt werden. Die Longen führen:
- Bei der hohen Verschnallung: durch Ringe am Sattel oder an einem Longiergurt, ähnlich wie Zügel
- Bei der tiefen Verschnallung: um die Hinterhand des Pferdes herum (bei fortgeschrittener Arbeit)
Der Longenführer steht dabei hinter oder seitlich-hinter dem Pferd und kann über die beiden Longen ähnlich einwirken wie später mit Zügeln – aber mit mehr Abstand und ohne Reitergewicht.
Die Vorteile der Dual-Longe:
Seitliche Begrenzung ohne Fixierung: Im Gegensatz zur einfachen Longe, die nur von einer Seite wirkt, geben zwei Longen dem Pferd einen Rahmen von beiden Seiten. Das Pferd lernt:
- Gleichmäßige Anlehnung auf beiden Seiten
- Stellung und Biegung
- Geraderichten
- Auf feine Impulse zu reagieren
Dabei bleibt das Pferd aber beweglich und frei – die Longen sind nicht starr wie Ausbinder, sondern in der Hand des Longenführers, der jederzeit nachgeben, annehmen oder korrigieren kann.
Vorbereitung aufs Reiten: Die Dual-Longe ist eine hervorragende Vorbereitung für die spätere Arbeit unter dem Sattel. Das Pferd lernt bereits vom Boden aus:
- Auf Zügelhilfen zu reagieren
- Sich in einen Rahmen einzufügen
- Seitlich zu weichen
- Übergänge fließend auszuführen
Wenn das Pferd dann das erste Mal geritten wird, sind die Hilfen bereits bekannt – nur das Gewicht des Reiters ist neu.
Präzise Hilfengebung möglich: Mit zwei Longen kann der Ausbilder viel differenzierter arbeiten als mit einer einzelnen Longe:
- Einzelne Hinterbeine ansprechen
- Vorhand oder Hinterhand gezielt bewegen
- Komplexe Lektionen erarbeiten (Seitengänge, Rückwärtsrichten, etc.)
- Feine Korrekturen vornehmen
Die Herausforderung: Die Dual-Longe ist technisch anspruchsvoll. Der Longenführer muss:
- Zwei Longen gleichzeitig koordinieren
- Den richtigen Abstand zum Pferd halten
- Sich geschickt bewegen, um nicht in den Longen zu verheddern
- Timing und Dosierung der Hilfen beherrschen
- Das Pferd konstant beobachten und sofort reagieren
Für Anfänger ist die Dual-Longe definitiv überfordernd. Sie erfordert Erfahrung, Übung und idealerweise Anleitung durch jemanden, der diese Technik beherrscht. Aber für erfahrene Ausbilder ist sie ein fantastisches Werkzeug.
Kombination: Kappzaum mit Dual-Longe
Besonders effektiv wird es, wenn man Kappzaum und Dual-Longe kombiniert. Die Longen werden am Kappzaum befestigt (oder führen durch Ringe am Kappzaum und enden an einem Longiergurt), und man hat alle Vorteile beider Methoden:
- Keine Belastung des Mauls
- Präzise seitliche Führung
- Möglichkeit zur feinen Hilfengebung
- Vorbereitung auf die spätere Zügeleinwirkung
- Maximale Freiheit für das Pferd innerhalb eines klaren Rahmens
Diese Kombination ist der Goldstandard in der klassischen Ausbildung. Sie ist anspruchsvoll, erfordert Zeit und Können – aber sie produziert Pferde, die wirklich verstanden haben, was von ihnen erwartet wird, und die aus eigenem Antrieb mitarbeiten.
Warum Alternativen besser sind als Hilfszügel
Nach allem, was wir in dieser Artikelserie über Hilfszügel gelernt haben, drängt sich die Frage auf: Warum sollte man sich die Mühe mit Kappzaum oder Dual-Longe machen, wenn man doch einfach Ausbinder verschnallen kann?
Die Antwort liegt in der Qualität der Ausbildung:
Echte Selbsthaltung statt mechanische Begrenzung: Ein Pferd, das am Kappzaum gelernt hat, sich zu dehnen, macht das aus eigenem Antrieb – weil es gelernt hat, dass diese Haltung angenehm ist und funktioniert. Ein Pferd mit Ausbindern macht es, weil es nicht anders kann. Nimmt man die Ausbinder ab, fällt oft das ganze Konstrukt zusammen. Das Pferd am Kappzaum hat echte Selbsthaltung entwickelt.
Aktive Mitarbeit statt Resignation: Hilfszügel können – besonders bei falschem Einsatz – zu erlernter Hilflosigkeit führen. Das Pferd gibt auf, fügt sich, funktioniert. Bei der Arbeit am Kappzaum oder mit der Dual-Longe bleibt das Pferd aktiver Partner. Es muss mitdenken, muss Lösungen finden, muss aktiv arbeiten. Das Ergebnis sind Pferde, die wach, interessiert und motiviert bei der Sache sind.
Keine Verletzungsgefahr: Weder Kappzaum noch Dual-Longe haben die Verletzungsgefahren, die wir bei Schlaufzügeln, Stoßzügeln oder zu kurz verschnallten Ausbindern kennengelernt haben. Natürlich kann auch mit einem Kappzaum grob umgegangen werden – aber das Risiko schwerer Verletzungen wie Zungenlähmungen ist einfach nicht gegeben.
Förderung echter Losgelassenheit: Losgelassenheit – die zweite Stufe der Ausbildungsskala – kann nicht erzwungen werden. Ein Pferd, das mechanisch in eine Position gebracht wird, kann nicht wirklich losgelassen arbeiten. Am Kappzaum oder mit der Dual-Longe lernt das Pferd, echte Losgelassenheit zu finden – weil es die Freiheit hat, verschiedene Optionen auszuprobieren und zu spüren, welche sich gut anfühlt.
Langfristig nachhaltiger: Die Ausbildung am Kappzaum oder mit der Dual-Longe dauert länger als das schnelle Verschnallen von Ausbindern. Aber sie ist nachhaltiger. Das Pferd versteht wirklich, was von ihm erwartet wird, und kann dieses Verständnis auf neue Situationen übertragen. Es ist keine oberflächliche Dressur, sondern echtes Lernen.
Der ehrliche Vergleich: Aufwand vs. Nutzen
Seien wir ehrlich: Kappzaum und Dual-Longe sind aufwendiger als Hilfszügel.
Was Hilfszügel bieten:
- Schnelle, einfache Handhabung
- Sofortige sichtbare „Ergebnisse“ (Kopf unten, scheinbar „schöne“ Haltung)
- Wenig Vorwissen nötig
- Funktioniert auch bei ungeübten Longenführer
- Zeitersparnis
Was Kappzaum/Dual-Longe erfordern:
- Investition in gute Ausrüstung (guter Kappzaum ist nicht billig)
- Zeit zum Erlernen der Technik
- Geduld mit dem Pferd und sich selbst
- Bereitschaft, auch „schlechte“ Phasen durchzustehen
- Mehr aktives Können vom Menschen
Was Kappzaum/Dual-Longe bringen:
- Echte, nachhaltige Ausbildung
- Pferde mit echter Selbsthaltung
- Keine gesundheitlichen Risiken
- Aktive, motivierte Partner
- Langfristig stabilere Ergebnisse
Die Frage ist: Was ist einem wichtig? Schnelle, oberflächliche Ergebnisse – oder echte, fundierte Ausbildung? Die Antwort sollte klar sein.
Für wen sind diese Alternativen geeignet?
Kappzaum ist geeignet für:
- Ausbilder, die bereit sind, Zeit in gute Ausbildung zu investieren
- Longenführer mit Grundkenntnissen, die ihre Fähigkeiten erweitern wollen
- Jeden, der mit jungen Pferden arbeitet
- Besitzer von Pferden mit Maulproblemen
- Menschen, die klassische Reitkunst lernen möchten
Dual-Longe ist geeignet für:
- Fortgeschrittene Longenführer mit Erfahrung
- Ausbilder, die Pferde vom Boden aus auf die Reitarbeit vorbereiten wollen
- Menschen, die bereit sind, sich intensiv mit der Technik auseinanderzusetzen
- Für die Arbeit mit Pferden, die bereits Grundgehorsam haben
Beide sind weniger geeignet für:
- Absolute Anfänger ohne jede Longenerfahrung (dann erst Grundlagen lernen)
- Menschen, die schnelle Erfolge ohne Aufwand erwarten
- Situationen, in denen Sicherheit oberste Priorität hat und das Pferd völlig unberechenbar ist (dann erst Grundlagenarbeit)
Der Lernweg: Wie fängt man an?
Wer von Hilfszügeln auf Kappzaum oder Dual-Longe umsteigen möchte, sollte nicht einfach improvisieren:
Für den Kappzaum:
- Investieren in einen hochwertigen, gut passenden Kappzaum
- Professionelle Hilfe beim Anpassen in Anspruch nehmen
- Zunächst in ruhiger Umgebung (Roundpen, kleine Reitbahn) üben
- Mit einfachen Übungen beginnen (ruhiges Schritt- und Trablaufen)
- Langsam steigern, wenn Mensch und Pferd sicherer werden
- Idealerweise einen Kurs oder Unterricht bei einem erfahrenen Ausbilder nehmen
Für die Dual-Longe:
- Erst gründlich am Kappzaum üben, bis es sitzt
- Unbedingt professionelle Anleitung suchen (Kurse, Unterricht)
- Zunächst mit einem sehr erfahrenen, ruhigen Pferd üben
- Mit einfachen Übungen beginnen (geradeaus, große Wendungen)
- Technik verfeinern, bevor man zu komplexen Lektionen übergeht
- Geduld haben – die Dual-Longe ist eine Kunst, die Zeit braucht
Fazit: Die beste Alternative ist oft gar kein Hilfszügel
Am Ende dieser elfteiligen Serie über Hilfszügel steht eine einfache Erkenntnis: Die beste Alternative zu Hilfszügeln ist in vielen Fällen, gar keine zu verwenden. Kappzaum und Dual-Longe zeigen, dass es möglich ist, Pferde sinnvoll zu longieren, auszubilden und zu gymnastizieren, ohne ihnen mechanische Begrenzungen anzulegen.
Diese Alternativen erfordern mehr vom Menschen – mehr Können, mehr Geduld, mehr Zeit, mehr Engagement. Aber sie geben auch mehr: Pferde mit echter Selbsthaltung, echter Losgelassenheit, echtem Verständnis für das, was von ihnen erwartet wird. Pferde, die aktive Partner sind, nicht passive Befehlsempfänger.
Nicht jeder Reiter wird zum Dual-Longen-Experten werden, nicht jeder braucht einen Kappzaum. Aber jeder, der mit Pferden arbeitet, sollte sich fragen: Brauche ich diesen Hilfszügel wirklich? Oder gibt es einen Weg ohne? Oft lautet die ehrliche Antwort: Es gibt einen Weg ohne – er ist nur etwas anstrengender.
Die Frage ist dann: Bin ich bereit, diese Anstrengung auf mich zu nehmen? Bin ich bereit, in meine Fähigkeiten zu investieren, statt in mechanische Hilfsmittel? Bin ich bereit, dem Pferd die Zeit zu geben, die es braucht, um wirklich zu verstehen und zu lernen?
Wenn die Antwort ja lautet, dann sind Kappzaum und Dual-Longe nicht nur Alternativen zu Hilfszügeln – sie sind der bessere Weg. Ein Weg, der dem Pferd als Lebewesen, als fühlendes, lernendes Individuum gerechter wird. Ein Weg, der nicht den einfachsten, aber den besten Weg zum Ziel nimmt. Und am Ende dieses Weges steht ein Pferd, das nicht trotz, sondern mit dem Menschen gewachsen ist.
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