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Artikel lesenNicht alles, was grün ist, ist für Pferde geeignet
© Adobe Stock / IvanMel
Warum Weidebewuchs differenziert betrachtet werden muss
Grün gilt in der Pferdehaltung häufig als Synonym für gesund. Üppige Weiden, saftiges Gras und weidende Pferde vermitteln ein Bild von Natürlichkeit und Wohlbefinden. Doch diese visuelle Einschätzung ist trügerisch: Die Farbe Grün allein erlaubt keinerlei Rückschluss auf die Qualität, Eignung oder gesundheitliche Unbedenklichkeit einer Pferdeweide.
Gerade aus weidetechnischer Sicht ist es notwendig, Weideflächen differenziert zu beurteilen und den Bewuchs stärker in den Fokus zu rücken.
Weidegang: Wunschbild versus Realität
Weidegang gehört für viele zu den zentralen Kriterien bei der Stallsuche. Häufig wird ein möglichst langer – idealerweise ganzjähriger – Weidezugang gefordert. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, sollte jedoch nicht losgelöst von den tatsächlichen Gegebenheiten betrachtet werden.
Denn Weidegang ist nicht per se gesund. Entscheidend ist:
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Welche Pflanzen wachsen auf der Fläche?
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In welchem Zustand befindet sich der Boden?
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Wie hoch ist die Besatzdichte?
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Wie lange und wie häufig wird beweidet?
Eine optisch ansprechende, grüne Fläche kann gleichzeitig eine erhebliche Belastung für den Stoffwechsel, die Verdauung und die Hufgesundheit des Pferdes darstellen.
Gesundheitliche Folgen von ungeeignetem Weidebewuchs
Bei gesundheitlichen Problemen wie:
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Kotwasser
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Wassereinlagerungen
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Leberbelastungen
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Stoffwechselentgleisungen
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oder sogar Hufrehe
wird der Weidebewuchs häufig erst sehr spät – oder gar nicht – als mögliche Ursache in Betracht gezogen. Stattdessen kommen oft Zusatzfuttermittel, wechselnde therapeutische Ansätze oder sogar eine Ausweitung des Weidegangs zum Einsatz, in der Annahme, dass „mehr Weide“ automatisch gesundheitsfördernd sei. Diese Annahme ist fachlich nicht haltbar.
Pflanzenwahl: Pferde können nicht selektieren
Unter heutigen Haltungsbedingungen haben Pferde kaum die Möglichkeit zur gezielten Pflanzenauswahl. Hoher Besatzdruck, kurze Grasnarbe und eingeschränkte Flächen führen dazu, dass Pferde fressen, was verfügbar ist – nicht unbedingt das, was sie benötigen oder vertragen.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt jedoch, dass Pferde mit Erfahrung auf artenreichen Flächen durchaus selektiv agieren können. Fehlt diese Auswahlmöglichkeit, steigt das Risiko der Aufnahme ungeeigneter oder problematischer Pflanzen deutlich.
Grün ist nicht gleich geeignet
Ein häufiger Trugschluss in der Weidebeurteilung lautet: „Da ist noch etwas drauf.“
Doch entscheidend ist nicht, ob etwas wächst, sondern was wächst. Pflanzen wie beispielsweise Ferkelkraut, das dem Löwenzahn ähnelt, sind für Pferde problematisch und werden oft nicht erkannt. Die Unterscheidung erfordert botanisches Grundwissen – ein Aspekt, der in der Pferdehaltung häufig unterschätzt wird.
Hinzu kommt: Je stärker eine Weide abgefressen wird, desto höher ist der Stress für die Pflanzen. Dies verändert die Pflanzenzusammensetzung und kann den Zuckergehalt sowie die Belastung für den Pferdestoffwechsel erhöhen.
Stark abgefressene Flächen werden in der Praxis leider immer noch häufig fälschlicherweise als „Magerweiden“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nicht um eine “echte Magerweide”, sondern schlichtweg um übernutzte, ausgelaugte Bestände.
Eine Magerweide ist durch eine standortangepasste, artenreiche Vegetation mit geringem Nährstoffangebot gekennzeichnet – nicht durch dauerhaften Verbiss, Bodenverdichtung.
Weg von Hochleistungsgräsern – hin zu pferdegerechtem Bewuchs
In der Pferdehaltung ist ein Umdenken notwendig. Statt sich primär auf das zu konzentrieren, was vermieden werden soll, muss klar definiert werden, welcher Bewuchs erwünscht ist.
Ziel einer pferdegerechten Weide sind:
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strukturreiche, nährstoffarme Gräser
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angepasste Kräuter
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eine robuste, regenerationsfähige Grasnarbe
Diese Pflanzen wachsen jedoch nur unter geeigneten Bedingungen:
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ausreichende Ruhezeiten
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passende Temperaturen
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intakte Bodenstruktur
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Nutzung ausschließlich innerhalb der Vegetationsperiode
Ganzjähriger Weidegang ist nur bei sehr großen Flächen und professionellem Weidemanagement realistisch – andernfalls geht sie auf die Kosten von Boden, Pflanzen und Pferdegesundheit.
Weideburnout: ein reales Problem in vielen Ställen
Der Begriff „Weideburnout“ beschreibt einen Zustand, der in der Praxis weit verbreitet ist. Ein Großteil der Pferdeweiden zeigt:
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Übernutzung
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Verdichtung des Bodens
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fehlende Regenerationszeiten
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eingeschränkte Pflanzenvielfalt
Diese Faktoren wirken sich direkt negativ auf den Nährwert, die Pflanzenzusammensetzung und letztlich auf die Gesundheit der Pferde aus. Doch was kann man dagegen tun?
Sinnvolles Weidemanagement erfordert Fachwissen
Ein nachhaltiger Umgang mit Weideflächen basiert auf Fachwissen, Beobachtung und Konsequenz. Zentrale Maßnahmen sind:
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regelmäßige Ruhephasen für die Weide
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gezielte Förderung pferdegerechter Pflanzen
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Anpassung der Weidezeit an Flächengröße und Pferdeanzahl
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kritische Bewertung des Bewuchses – unabhängig von der Farbe Grün
Weniger, aber qualitativ hochwertiger Weidegang ist für viele Pferde deutlich gesünder als lange Weidezeiten auf ungeeigneten Flächen.
Fazit
Nicht jede grüne Weide ist automatisch pferdegerecht. Entscheidend sind die Pflanzenzusammensetzung, die Bodenqualität sowie ein durchdachtes Nutzungskonzept. Ein bewusster, fachlich fundierter Umgang mit Weideflächen schützt langfristig sowohl die Weide selbst als auch die Gesundheit der Pferde.
Ein gutes Weidemanagement und eine sachgerechte Weidepflege erfordern fundiertes Fachwissen, Erfahrung und ein geschultes Auge.
Wer diese Expertise nicht selbst mitbringt, sollte nicht zögern, sich von qualifizierten Fachpersonen im Bereich Weidemanagement beraten zu lassen. Nur so lassen sich nachhaltige Lösungen entwickeln, die sowohl den Bedürfnissen der Pferde als auch den Anforderungen der Weide gerecht werden.
Die Weiden sollten daher stets mit Sachverstand, Umsicht und Verantwortung geöffnet werden – im Sinne einer nachhaltigen und gesunden Pferdehaltung.