Hilfszügel beim Pferd: Arten, Einsatz und Alternativen

Hilfszügel beim Pferd: Arten, Einsatz und Alternativen

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Hilfszügel sind Ausrüstungsgegenstände, die zusätzlich zur Zäumung eingesetzt werden, um die Kopf-Hals-Position des Pferdes zu beeinflussen – sie reichen von relativ harmlosen Sicherheitsmitteln bis zu hochproblematischen Zwangsinstrumenten.
  • Man unterscheidet zwischen fest verschnallten Hilfszügeln (wie Ausbindern oder Dreieckszügeln) und solchen, die in der Hand geführt werden (wie Schlaufzügeln), sowie reinen Zweckmitteln (wie dem Martingal).
  • Der häufigste Fehler im Umgang mit allen Hilfszügeln ist die zu kurze Verschnallung und der Dauereinsatz statt temporärer Nutzung – beides führt zu massiven biomechanischen und psychischen Problemen beim Pferd.
  • Während einige Hilfszügel in sehr spezifischen Situationen und von erfahrenen Händen sinnvoll eingesetzt werden können, werden die meisten in der Praxis missbraucht und richten mehr Schaden an als sie nützen.
  • Die besten Alternativen zu Hilfszügeln sind oft Kappzaum und Dual-Longe, die echte Ausbildung ohne mechanischen Zwang ermöglichen – oder schlicht gesagt: gar kein Hilfszügel und stattdessen fundierte, geduldige Trainingsarbeit.

Hilfszügel – eine Kontroverse

Kaum ein Thema in der Pferdewelt wird so kontrovers diskutiert wie Hilfszügel. Für die einen sind sie unverzichtbare Ausbildungshilfen, für die anderen Werkzeuge der Unterdrückung. In Reitschulen gehören Ausbinder zur Standardausrüstung, während klassische Ausbilder sie strikt ablehnen. Spring- und Geländereiter schwören auf Martingale, Dressurreiter halten sie für überflüssig. Während manche Trainer mit Schlaufzügeln „korrigieren“, sehen andere darin reine Tierquälerei.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und ist differenzierter, als es die polarisierten Lager vermuten lassen. Hilfszügel sind weder generell Teufelszeug noch Wundermittel. Sie sind Werkzeuge, deren Nutzen oder Schaden davon abhängt, welches Werkzeug für welchen Zweck von wem eingesetzt wird. Dieser Überblicksartikel gibt einen ersten Einblick in die verschiedenen Arten von Hilfszügeln, ihre ursprüngliche Intention, ihre Probleme – und die Frage, ob und wann man überhaupt welche braucht.

Was sind Hilfszügel überhaupt?

Hilfszügel sind Ausrüstungsgegenstände, die zusätzlich zur normalen Zäumung verwendet werden und die Kopf-Hals-Haltung des Pferdes beeinflussen oder bestimmte Bewegungen begrenzen sollen. Sie wirken durch mechanischen Druck oder Begrenzung und geben dem Pferd einen äußeren Rahmen vor.

Hilfszügel sind Ausrüstungsgegenstände, die zusätzlich zur normalen Zäumung verwendet werden und die Kopf-Hals-Haltung des Pferdes beeinflussen oder bestimmte Bewegungen begrenzen sollen. Sie wirken durch mechanischen Druck oder Begrenzung und geben dem Pferd einen äußeren Rahmen vor.

Die Bezeichnung „Hilfszügel“ ist dabei etwas irreführend, denn streng genommen sind es keine Zügel im eigentlichen Sinne – also keine direkte, feine Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Vielmehr sind es mechanische Hilfsmittel mit unterschiedlichen Wirkungsweisen, die je nach Typ sehr verschiedene Effekte haben.

Die drei Hauptkategorien

Fest verschnallte Hilfszügel werden vor dem Longieren oder Reiten am Pferd befestigt und bleiben während der gesamten Arbeitseinheit in gleichbleibender Einstellung. Zu dieser Kategorie gehören Ausbinder, Dreieckszügel, Stoßzügel, Chambon, Gogue oder der Halsverlängerer. Sie sind berechenbar, aber unflexibel – und genau darin liegt sowohl ihr begrenzter Nutzen als auch ihr Gefahrenpotenzial.

In der Hand geführte Hilfszügel werden wie Zügel in der Hand des Reiters gehalten und können situativ eingesetzt oder nachgegeben werden. Hierzu zählen Schlaufzügel, Thiedemannzügel oder der Gogue in seiner Reitvariante. Sie ermöglichen theoretisch feinere Einwirkung, sind aber in unerfahrenen Händen durch ihre oft verstärkte Hebelwirkung besonders gefährlich.

Sicherheitsmittel wie das Martingal haben eine Sonderstellung. Sie dienen primär nicht der Beeinflussung der Haltung, sondern sollen verhindern, dass das Pferd den Kopf unkontrolliert hochreißt und den Reiter verletzt. Diese funktionale Begrenzung macht sie zum unkompliziertesten und am wenigsten problematischen Hilfszügel.

Die ursprüngliche Idee: Temporäre Unterstützung

Jeder der heute verwendeten Hilfszügel wurde ursprünglich aus einem nachvollziehbaren Grund entwickelt. Ausbinder sollten beim Longieren seitliche Begrenzung geben. Dreieckszügel sollten junge Pferde zur Dehnung einladen. Chambon und Gogue sollten die Rückentätigkeit fördern. Schlaufzügel sollten in Ausnahmefällen bei schwierigen Korrekturen helfen. Das Martingal sollte Unfälle verhindern.

Die gemeinsame ursprüngliche Intention: All diese Hilfsmittel waren als temporäre Unterstützung gedacht. Sie sollten in spezifischen Ausbildungsphasen helfen, dem Pferd zu zeigen, wie sich eine gewünschte Haltung anfühlt, oder eine Brücke bauen auf dem Weg zur Lösung. Das Ziel war stets, sie mittelfristig wieder abzulegen, sobald das Pferd gelernt hat, die gewünschte Balance aus eigener Kraft zu zeigen.

Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Aus temporären Hilfsmitteln sind in vielen Ställen Dauerlösungen geworden. Schulpferde verbringen ihr gesamtes Arbeitsleben mit Ausbindern. Freizeitpferde werden seit Jahren nur noch mit Halsverlängerer longiert. Hilfszügel, die für Profis zur kurzfristigen Korrektur gedacht waren, werden von Reitanfängern als Standardausrüstung genutzt.

Die häufigsten Fehler

Über alle Hilfszügeltypen hinweg gibt es drei Hauptfehler, die immer wieder gemacht werden und die aus potenziell sinnvollen Werkzeugen gefährliche Problemverursacher machen:

Fehler Nr. 1: Zu kurze Verschnallung

Der mit Abstand häufigste und folgenreichste Fehler. Egal ob Ausbinder, Dreieckszügel oder Halsverlängerer – die meisten werden viel zu kurz verschnallt. Der Gedanke dahinter: „Je kürzer, desto schneller kommt das Pferd in die gewünschte Haltung.“ Das Gegenteil ist der Fall.

Zu kurz verschnallte Hilfszügel zwingen das Pferd in eine Position, die es muskulär noch gar nicht halten kann. Die typischen Folgen: Das Pferd rollt sich ein, kommt hinter die Senkrechte, fällt auf die Vorhand, verspannt sich massiv. Statt der gewünschten Aufrichtung oder Dehnung entsteht eine Fehlhaltung mit langfristigen gesundheitlichen Folgen.

Fehler Nr. 2: Dauergebrauch statt temporärer Einsatz

Was als temporäres Hilfsmittel gedacht war, wird zur Dauerlösung. Pferde, die seit Jahren nie ohne Hilfszügel gearbeitet werden, entwickeln keine Selbsthaltung, keine echte Balance, keine Fähigkeit zur eigenständigen Regulierung ihrer Haltung. Sie funktionieren nur mit mechanischem Rahmen – nimmt man diesen weg, bricht alles zusammen.

Der Dauergebrauch führt zudem zu muskulären Dysbalancen. Bestimmte Muskelgruppen werden permanent falsch belastet, andere verkümmern. Die falsch aufgebaute Muskulatur ist später schwer zu korrigieren und begleitet das Pferd oft dauerhaft.

Fehler Nr. 3: Einsatz durch unerfahrene Personen

Viele Hilfszügel wurden für den Einsatz durch Profis entwickelt – landen aber in den Händen von Reitanfängern oder unerfahrenen Freizeitreitern. Besonders problematisch wird es bei Hilfszügeln mit Hebelwirkung wie Schlaufzügeln. Was in erfahrenen Händen präzises Korrekturwerkzeug sein könnte, wird in ungeübten Händen zum Instrument von Schmerz und Schaden.

Die verschiedenen Hilfszügel im Kurzporträt

Ausbinder: Der Klassiker mit klaren Grenzen

Ausbinder sind fest verschnallte Riemen vom Sattelgurt seitlich zum Gebiss. Sie geben seitliche Begrenzungen, verhindern aber die wichtige Vorwärts-Abwärts-Dehnung. Häufig in Reitschulen und beim Longieren eingesetzt – oft als Dauerlösung, was problematisch ist. Ihr größtes Problem: Sie lassen keine individuelle Anpassung zu und sind besonders anfällig für zu kurze Verschnallung.

Dreieckszügel und Laufferzügel: Die flexiblen Alternativen

Diese beiden ermöglichen im Gegensatz zu starren Ausbindern eine Dehnung. Dreieckszügel laden durch ihre Verschnallung über das Genick aktiv zur Vorwärts-Abwärts-Haltung ein. Laufferzügel sind noch variabler und können je nach Verschnallung von maximaler Dehnung bis zu leichter Aufrichtung alles ermöglichen. Beide arbeiten mit dem Prinzip „Druck und Nachlass“ – deutlich pferdefreundlicher als starre Begrenzung.

Stoßzügel: Maximum an Kritik

Der Stoßzügel führt zwischen den Beinen hindurch direkt zum Gebiss und soll ein “Kopf hochreißen” verhindern. In der Theorie ein temporäres Korrekturmittel, in der Praxis einer der problematischsten Hilfszügel überhaupt. Seine starre Einwirkung von unten, die fehlende seitliche Begrenzung und die massive Gefahr der Überzäumung machen ihn zu einem Hilfszügel, vor dem nur gewarnt werden kann.

Chambon und Gogue: Für die Rückentätigkeit

Diese beiden spezialisierten Hilfszügel wirken auf Gebiss und Genick und laden das Pferd zur Dehnung ein, während sie gleichzeitig die Rückentätigkeit fördern. Der Chambon ist nur fürs Longieren, der Gogue existiert in zwei Varianten (fest und in der Hand geführt). Beide gehören zu den durchdachten Hilfszügeln, erfordern aber absolut korrekte Einstellung und Verständnis für Biomechanik.

Halsverlängerer: Die umstrittenen Gummizüge

Elastische Riemen, die theoretisch weiche Anlehnung bieten sollen. In der Praxis führen sie meist dazu, dass Pferde sich permanent gegen den elastischen Widerstand stemmen, einrollen und falsche Muskulatur aufbauen. Der Halsverlängerer wird von FN-Ausbildern weitgehend abgelehnt. Es gibt sehr begrenzte Übergangssituationen, in denen sie helfen können – aber die rechtfertigen nicht ihren verbreiteten Missbrauch.

Schlaufzügel: Nur für absolute Profis

Das Flaschenzugprinzip vervielfacht die Kraft der Reiterhand erheblich – was Schlaufzügel extrem scharf macht. Ursprünglich für temporäre Korrekturarbeit durch Profis gedacht, werden sie erschreckend oft von unerfahrenen Reitern genutzt. Das Reiten „auf dem blanken Schlaufer“ – also nur mit Schlaufzügeln ohne normale Zügel – kann zu Zungenquetschungen bis hin zu Zungenlähmungen führen und ist Tierquälerei.

Thiedemannzügel: Der Kompromiss

Eine Mischform zwischen Schlaufzügel und Martingal – deutlich milder als Schlaufzügel, aber komplexer als ein Martingal. Hauptsächlich beim Springen und im Gelände eingesetzt. Für fortgeschrittene Reiter eine vertretbare Option, für Anfänger zu kompliziert.

Martingal: Das Sicherheitsmittel

Das Martingal ist primär ein Sicherheitshilfsmittel, das verhindern soll, dass das Pferd den Kopf unkontrolliert hochreißt und den Reiter verletzt. Es ist der unkomplizierteste und am wenigsten problematische aller Hilfszügel – wenn man die richtige Länge einhält (Ringe sollten bis zum Kehlgang reichen). Besonders beim Springen und im Gelände sinnvoll.

Die biomechanischen und psychischen Folgen von Fehlgebrauch

Wenn Hilfszügel falsch eingesetzt werden – und das ist leider die Regel, nicht die Ausnahme – entstehen massive Probleme auf verschiedenen Ebenen:

Biomechanisch führen falsch eingesetzte Hilfszügel zu:

  • Einrollen und Hinter-die-Senkrechte-Kommen
  • Fallen auf die Vorhand statt Lastaufnahme mit der Hinterhand
  • Blockiertem Rücken, der nicht schwingen kann
  • Aufbau falscher Muskulatur (massiver Unterhals, schwache Oberlinie)
  • Langfristigen Schäden wie Kissing Spines, Arthrosen, chronischen Verspannungen

Psychisch können Hilfszügel zu führen zu:

  • Erlernter Hilflosigkeit und Resignation
  • Verlust der natürlichen Bewegungsfreude
  • Vertrauensverlust in den Menschen
  • Stereotypien und Verhaltensauffälligkeiten
  • Dem Pferd als passivem Befehlsempfänger statt aktivem Partner

Diese Folgen sind nicht abstrakt oder theoretisch – sie sind real und betreffen täglich tausende Pferde in Deutschland und weltweit.

Detailartikel: „Kritik, Risiken & Tierschutz: Der korrekte Umgang mit Hilfszügeln“

Die Rolle der Ausbildungsskala

Die klassische Ausbildungsskala – Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung – beschreibt den logischen Aufbau der Pferdeausbildung. Hilfszügel können in diesem System bestenfalls eine sehr begrenzte, unterstützende Rolle spielen.

Bei der Losgelassenheit können Hilfszügel wie Dreieckszügel oder Chambon theoretisch helfen, indem sie zur Dehnung einladen – aber nur, wenn das Pferd sie als Einladung versteht, nicht als Zwang. Bei der Anlehnung wird es bereits kritischer: Eine echte Anlehnung entsteht aus der Hinterhand heraus. Ein Hilfszügel, der mechanisch die Kopfposition begrenzt, kann diese nicht ersetzen.

Für Schwung und Versammlung sind Hilfszügel völlig ungeeignet, da diese Qualitäten echte Lastaufnahme, bewusste Balance und hohe Durchlässigkeit erfordern – alles Dinge, die nicht durch äußere Begrenzung entstehen können.

Die entscheidende Erkenntnis: Hilfszügel können bestenfalls in den ersten beiden Stufen der Ausbildungsskala eine unterstützende Rolle spielen – und auch dort nur, wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie können niemals echte Ausbildung ersetzen.

Wann – wenn überhaupt – sind Hilfszügel vertretbar?

Nach all der Kritik bleibt die Frage: Gibt es Situationen, in denen Hilfszügel tatsächlich sinnvoll sind? Die ehrliche Antwort: Ja, aber unter sehr engen Voraussetzungen.

Hilfszügel können vertretbar sein, wenn:

  • Der Einsatz temporär ist (Tage bis wenige Wochen, nicht Monate oder Jahre)
  • Die Person über fundiertes Wissen und Erfahrung verfügt
  • Die Verschnallung korrekt und großzügig ist
  • Das Pferd keine Anzeichen von Stress, Schmerz oder Resignation zeigt
  • Ein klarer Plan existiert, wann und wie der Hilfszügel wieder abgelegt wird
  • Alternativen geprüft und als weniger geeignet befunden wurden

In der Praxis sind diese Voraussetzungen selten vollständig erfüllt. Die meisten Situationen, in denen Hilfszügel eingesetzt werden, würden sich besser durch geduldige Ausbildungsarbeit, Gesundheitschecks oder professionelle Hilfe lösen lassen.

Die bessere Alternative: Kappzaum und Dual-Longe

Die beste Alternative zu Hilfszügeln ist oft, gar keine zu verwenden. Kappzaum und Dual-Longe sind pferdefreundliche Optionen, die eine echte Ausbildung ohne mechanischen Zwang ermöglichen.

Der Kappzaum ist ein spezielles Halfter mit verstärktem Nasenriemen, an dem die Longe befestigt wird. Er wirkt auf die Nase statt aufs Maul und ermöglicht präzise Einwirkung ohne Gebiss. Das Pferd kann frei experimentieren, lernt echte Selbsthaltung und entwickelt keine Abhängigkeit von mechanischer Begrenzung.

Pferd arbeitet mir tiefer Kopfhaltung an der Loge auf einem Zirkel
Im freien Longieren mit Kappzaum entdeckt das Pferd seine eigenen Bewegungsmöglichkeiten und baut echte Rückenmuskulatur auf, statt einer künstlichen Kopfhaltung zu folgen
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Die Dual-Longe arbeitet mit zwei Longenleinen, die dem Pferd seitliche Führung geben, ohne es zu zwingen. Sie simuliert die spätere Zügeleinwirkung und bereitet das Pferd optimal aufs Reiten vor. Besonders effektiv wird die Kombination: Kappzaum mit Dual-Longe.

Beide Methoden erfordern mehr Können vom Menschen als das simple Verschnallen von Ausbindern. Aber sie führen zu Pferden mit echter Selbsthaltung, echter Losgelassenheit, echtem Verständnis. Sie sind anspruchsvoller – aber besser.

Die ethische Dimension: Verantwortung des Menschen

Jenseits aller technischen Diskussionen über Verschnallungen und Wirkungsweisen steht eine ethische Grundfrage: Haben wir das Recht, Pferde durch mechanische Hilfsmittel in Positionen zu zwingen, die sie aus eigenem Antrieb nicht einnehmen würden?

Das Tierschutzgesetz sagt klar: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Ein „vernünftiger Grund“ liegt nicht vor, wenn es bessere, schonende Alternativen gibt – und die gibt es in den meisten Fällen.

Die ethische Verantwortung des Reiters oder Longenführers besteht darin, ehrlich zu prüfen: Dient dieser Hilfszügel wirklich dem Pferd – oder dient er meiner Bequemlichkeit? Löst er ein Problem – oder kaschiert er nur meine Defizite?

Diese Fragen sind unbequem. Aber sie sind notwendig. Denn am Ende des Tages geht es nicht um uns und unsere Bequemlichkeit. Es geht um fühlende, lernende Lebewesen, die uns ausgeliefert sind und darauf vertrauen, dass wir das Richtige für sie tun.

Fazit: Weniger ist mehr

Am Ende dieser Übersicht steht eine einfache Erkenntnis: In den meisten Fällen braucht man keine Hilfszügel. Was man braucht, ist Zeit, Geduld, fundiertes Wissen und die Bereitschaft, in die eigenen Fähigkeiten zu investieren statt in mechanische Hilfsmittel.

Die wenigen Situationen, in denen ein Hilfszügel tatsächlich helfen könnte, sind so speziell und selten, dass sie den massiven Missbrauch nicht rechtfertigen, den wir täglich in Reitschulen, auf Privatställen und Turnierplätzen sehen. Für jede dieser Situationen gibt es meist bessere Alternativen – man muss nur bereit sein, sie zu nutzen.

Hilfszügel sind keine neutralen Werkzeuge. Sie sind machtvolle Eingriffe in die Biomechanik und die Psyche des Pferdes. In falschen Händen oder falsch eingesetzt richten sie erheblichen Schaden an. Selbst in richtigen Händen sind sie oft verzichtbar.

Die folgenden Detailartikel dieser Serie beleuchten jeden einzelnen Hilfszügel genau – seine Funktionsweise, seine möglichen Einsatzgebiete, seine Probleme und Gefahren. Sie sollen helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Und die beste Entscheidung ist in vielen Fällen: Finger weg von Hilfszügeln und stattdessen Investition in echte, fundierte Ausbildungsarbeit.

Denn am Ende zählt nicht, wie schnell wir ein Pferd in eine gewünschte Form bringen. Am Ende zählt, ob wir ein Pferd haben, das gesund, losgelassen, motiviert und als aktiver Partner an unserer Seite arbeitet. Und dieser Weg führt selten über Hilfszügel – er führt über Geduld, Wissen, Respekt und die Bereitschaft, dem Pferd die Zeit zu geben, die es braucht, um wirklich zu verstehen und zu lernen.

Team Sanoanimal

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