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Artikel lesenGrassamenheu für Pferde: Timothy, Lieschgras und Festuca richtig einordnen
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Das Wichtigste in Kürze
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Grassamenheu stammt in der Regel nicht von einer artenreichen Wiese, sondern aus gezieltem Grasanbau auf dem Acker.
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Häufig angeboten werden Timothyheu beziehungsweise Lieschgrasheu, Festuca-Heu, Knaulgrasheu und teilweise Weidelgrasheu.
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Der Begriff Grassamenheu ist nicht immer eindeutig: Gemeint sein kann Monokulturheu aus Saatgutvermehrung, aber auch sortenreines Grasheu aus gezieltem Futteranbau.
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Die Nährwerte unterscheiden sich weniger durch den Namen der Grasart als durch Schnittzeitpunkt, Reifegrad, Düngung, Standort, Trocknung und Lagerung.
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Viele Grassamenheue sind strukturreich, faserbetont und relativ gleichmäßig, können aber je nach Charge auch deutlich zucker-, protein- oder energiereicher sein als erwartet.
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Für Pferde mit Stoffwechselproblemen zählt nicht die Bezeichnung „Timothy“ oder „Festuca“, sondern die tatsächliche Heuanalyse.
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Aus gesundheitlicher Sicht bleibt ein hygienisch einwandfreies, artenreiches, passend analysiertes Wiesenheu für viele Pferde die natürlichere Raufuttergrundlage.
Was ist Grassamenheu?
Grassamenheu ist ein Begriff, der in der Pferdefütterung nicht immer ganz sauber verwendet wird. Viele Pferdehalter verstehen darunter ein besonders hochwertiges, sauberes, sortenreines Heu. Landwirtschaftlich betrachtet geht es aber meist um Gräser, die gezielt auf Ackerflächen angebaut werden – entweder zur Futterproduktion oder zur Saatgutvermehrung.
Der entscheidende Unterschied zu normalem Wiesenheu liegt im Pflanzenbestand. Ein artenreiches Wiesenheu entsteht von Dauergrünland mit verschiedenen Gräsern, Kräutern und je nach Standort auch Leguminosen wie Klee, Esparsette oder Luzerne. Grassamenheu dagegen stammt meist aus einem sehr einheitlichen Bestand. Oft handelt es sich um eine einzige Grasart oder eine stark dominierende Grasart. Deshalb kann man es auch als “Monokulturheu vom Acker” bezeichnen.
Das muss nicht automatisch schlecht sein. Ein sortenreines Heu kann hygienisch sehr sauber sein, gute Nährwerte bieten und durch seine gleichmäßige Struktur für Pferde mit Zahnproblemen gut kaubar sein. Gleichzeitig fehlt ihm aber die natürliche Pflanzenvielfalt eines guten Wiesenheus. Genau deshalb sollte Grassamenheu nicht pauschal als „besser“ bewertet werden, sondern als spezieller Raufuttertyp mit eigenen Vor- und Nachteilen.
Warum wird Grassamenheu angebaut?
Grassamenheu entsteht häufig dort, wo Gräser gezielt für bestimmte Zwecke kultiviert werden. Ein wichtiger Bereich ist die Saatgutproduktion. Dabei werden Gräser angebaut, damit sie Samen bilden. Nach der Samenernte bleiben Pflanzenreste zurück, die als Grassamenheu genutzt werden können. In anderen Fällen werden dieselben Grasarten nicht zur Samenernte, sondern direkt als sortenreines Futtergras angebaut und zu Heu verarbeitet.
Für die Landwirtschaft hat das Vorteile: Der Bestand ist einheitlich, die Ernte lässt sich besser planen, die Pflanzen liefern je nach Art und Standort ordentliche Erträge, und das Produkt lässt sich gut vermarkten. Für Pferdehalter klingt besonders die Gleichmäßigkeit attraktiv. Ein Ballen Timothyheu sieht oft homogener aus als ein artenreiches Wiesenheu, bei dem jede Fläche und jeder Schnitt etwas anders ausfallen kann.
Diese Gleichmäßigkeit ist aber nicht dasselbe wie Futterqualität. Ein sehr spät geerntetes Grassamenheu kann zwar schön hell und sauber aussehen, aber - genauso wie Heu von artenreichen Flächen - nährstoffarm, sehr hart und wenig verdaulich sein. Ein früher Schnitt kann dagegen weicher, zucker- und proteinreicher sein, was ebenfalls nicht immer gut ist, je nach Pferdebestand. Deshalb gilt auch hier: Die Analyse ist wichtiger als der Name.
Grassamenheu, Grassamenstroh und sortenreines Grasheu: Wo liegt der Unterschied?
Bei der Einordnung sollte man drei Begriffe auseinanderhalten.
Sortenreines Grasheu wird gezielt als Futterheu angebaut und geerntet. Es kann aus Timothy, Knaulgras, Schwingel oder Weidelgras bestehen und wird meist vor oder während der Blüte geschnitten. Je nach Schnittzeitpunkt kann es relativ hohe Futterwerte haben, was dieses Heu problematisch machen kann für leichtfuttrige Pferde.
Grassamenheu wird oft etwas später geerntet, weil die Pflanze bis zur Samenbildung kommen soll, sodass der Samen dann ausgedroschen und vermarktet werden kann. Dadurch steigt der Faseranteil, während Protein und Verdaulichkeit tendenziell sinken. Aber je nach Gräsersorte können selbst nach der Saatguternte noch erhebliche Nährwerte in der Pflanze zu finden sein. Auch hier gilt wie immer: die Analyse gibt Klarheit.
Grassamenstroh ist dasselbe wie Grassamenheu, klingt aber durch den Begriff “Stroh” minderwertiger. Es wird In der Rinderfütterung teilweise als günstige Strukturkomponente genutzt. Für Pferde kann es - genauso wie Grassamenheu - interessant sein, ist aber kein vollwertiger Ersatz für gutes, artenreiches Heu. Die Oregon State University beschreibt Grassamenstroh allgemein als eher niedrigwertiges Raufutter und weist besonders bei Rohrschwingel und Weidelgras auf mögliche Endophyten- und Alkaloidprobleme hin. Diese Probleme gelten für Grassamenheu und Grasheu aber ganz genauso.
Für Pferdehalter ist deshalb wichtig: Wenn ein Produkt als Timothyheu, Festuca-Heu oder Grassamenheu angeboten wird, sollte man nachfragen, was genau gemeint ist. Wurde das Gras als Futterheu geschnitten - also in der Blüte? Stammt es aus Saatgutvermehrung? Wurde es vor, während oder nach der Samenreife geerntet? Und gibt es eine Analyse? Letztlich entscheidet vor allem die Analyse, ob das Heu für die Fütterung geeignet ist.
Timothyheu oder Lieschgrasheu für Pferde
Timothyheu stammt vom Wiesenlieschgras, botanisch Phleum pratense. International wird es als Timothy Hay bezeichnet. Besonders in Nordamerika und Großbritannien ist Timothyheu ein sehr bekanntes Pferdeheu. In Deutschland wird es zunehmend als Spezialheu angeboten, oft mit dem Versprechen, besonders geeignet für Pferde zu sein.
Wiesenlieschgras wächst bevorzugt in kühleren, gemäßigten Regionen. Es mag eher frische bis feuchte Standorte und kommt mit schweren, gut wasserversorgten Böden besser zurecht als mit sehr trockenen, nährstoffarmen Standorten. Es bildet typische walzenförmige Blütenstände, die viele Pferdehalter aus Wiesenbeständen kennen.
Fütterungsphysiologisch ist Timothyheu meist ein klassisches Gras-Raufutter mit oft moderatem Protein- und Zuckergehalt. Es ist oft faserreich und kann bei passendem Schnitt gut für Pferde geeignet sein. Die Werte schwanken aber stark, daher kommt es auf die Analyse der individuellen Charge an. Feedipedia nennt für Timothyheu im Durchschnitt etwa 9,1 % Rohprotein, 65,4 % NDF und 37,8 % ADF in der Trockensubstanz; die Rohproteinspanne reicht dort von 5,7 bis 13,8 %.
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Nährwert Timothyheu / Lieschgrasheu |
Übliche Orientierung, in der Trockensubstanz |
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Trockensubstanz |
ca. 85–93 % |
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Rohprotein |
ca. 6–14 % |
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NDF |
ca. 62–72 % |
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ADF |
ca. 35–42 % |
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Rohfaser |
ca. 25–40 % |
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Zucker |
stark schwankend, einzelne Angaben um ca. 10–12 % |
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Calcium |
ca. 0,03–0,50 % |
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Phosphor |
ca. 0,02–0,30 % |
Für Pferde ist Timothyheu vor allem dann interessant, wenn es hygienisch einwandfrei, nicht zu jung und nicht zu energiereich ist. Für stoffwechselempfindliche und leichtfuttrige Pferde sollte aber immer ein kritischer Blick auf Zucker- und Proteingehalt geworfen. werden. Der Name allein sagt nichts Sicheres über Zucker, Stärke oder Energie aus.
Festuca-Heu für Pferde: Schwingel ist nicht gleich Schwingel
Unter dem Namen Festuca-Heu wird meist Schwingelheu angeboten. Problematisch ist, dass „Festuca“ kein einzelnes Gras bezeichnet, sondern eine ganze Gruppe. In der Praxis können damit zum Beispiel Wiesenschwingel oder Rohrschwingel gemeint sein. Beide unterscheiden sich in Standortansprüchen, Wachstum und auch in der Bewertung für Pferde.
Wiesenschwingel wird botanisch häufig als Festuca pratensis beziehungsweise neuer auch als Schedonorus pratensis geführt. Er ist ein wertvolles Futtergras für frische bis feuchte Standorte und wird in Grünlandmischungen geschätzt. Rohrschwingel heißt botanisch Festuca arundinacea beziehungsweise Schedonorus arundinaceus. Er ist robuster, tiefwurzelnder, trockenheitstoleranter und wird weltweit als ertragreiches Futtergras genutzt.
Gerade beim Rohrschwingel muss man genauer hinschauen. In manchen Regionen kommen endophyteninfizierte Bestände vor. Endophyten sind Pilze, die in der Pflanze leben und Alkaloide bilden können. Bei Pferden sind vor allem tragende Stuten eine empfindliche Gruppe, weil endophytenbelasteter Rohrschwingel mit Fruchtbarkeits- und Abortproblemen in Verbindung gebracht wird. Die Oregon State University weist bei Grassamenstroh insbesondere auf Tall Fescue, also Rohrschwingel, als mögliche Quelle problematischer Alkaloide hin.
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Nährwert Festuca-Heu / Schwingelheu |
Übliche Orientierung, in der Trockensubstanz |
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Trockensubstanz |
ca. 89–92 % |
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Rohprotein |
ca. 7–13 % |
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NDF |
ca. 58–66 % |
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ADF |
ca. 35–39 % |
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Rohfaser |
ca. 35–45 % |
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Calcium |
ca. 0,30–0,51 % |
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Phosphor |
ca. 0,22–0,36 % |
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Verdauliche Energie |
eher moderat, stark schnittabhängig |
In Futterwerttabellen werden für sonnengetrocknetes Fescue-Hay je nach Reifegrad meist Rohproteinwerte von etwa 9,5 bis 12,4 % genannt. Zuckerwerte schwanken stark und werden meist zwischen 5 und 10 % angegeben, mit möglichen Abweichungen nach oben.
Für Pferde kann Schwingelheu geeignet sein, wenn Qualität, Analyse und botanische Herkunft stimmen. Bei tragenden Stuten sowie hufrehegefährdeten Pferden sollte man bei Rohrschwingel besonders vorsichtig sein und nur endophytengeprüfte Ware einsetzen. Bei unklarer Herkunft ist Zurückhaltung angebracht, ebenso bei fehlender Nährwertanalyse.
Knaulgrasheu oder Orchardgrass Hay für Pferde
Knaulgras heißt botanisch Dactylis glomerata und wird international als Orchardgrass oder Cocksfoot bezeichnet. Es ist ein ausdauerndes, ertragreiches Futtergras, das mit Trockenheit oft besser zurechtkommt als Lieschgras. Es wächst horstig, bildet relativ kräftige Halme und kann bei später Ernte recht grob werden.
Knaulgras wird in vielen Grünlandmischungen eingesetzt, weil es robust ist und gute Erträge liefern kann. Als sortenreines Heu wird es in manchen Ländern ähnlich wie Timothyheu vermarktet. Für Pferde kann Knaulgrasheu gut geeignet sein, wenn es rechtzeitig geschnitten wurde. Wird es zu spät geerntet, kann es hart, stängelig und weniger schmackhaft werden, sodass viele Pferde es verweigern. Andererseits kann es spät geerntet gut geeignet sein, um es unter andere Heusorten zu mischen und damit die Nährwerte besser einzustellen..
Feedipedia nennt für Knaulgrasheu Durchschnittswerte von etwa 13,1 % Rohprotein, 63,7 % NDF und 36,5 % ADF in der Trockensubstanz. Die dort angegebenen Spannbreiten zeigen aber auch hier eine deutliche Streuung: Rohprotein 7,4 bis 18,3 %, NDF 52,4 bis 74,8 % und ADF 25,6 bis 44,2 %. Für Zuckerwerte findet man Spannen von 6 bis 10 %, wobei sie auch höher ausfallen können.
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Nährwert Knaulgrasheu / Orchardgrass Hay |
Übliche Orientierung, in der Trockensubstanz |
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Trockensubstanz |
ca. 82–93 % |
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Rohprotein |
ca. 7–18 % |
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NDF |
ca. 52–75 % |
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ADF |
ca. 26–44 % |
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Rohfaser |
ca. 23–37 % |
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Calcium |
ca. 0,24–0,55 % |
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Phosphor |
ca. 0,20–0,35 % |
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Magnesium |
ca. 0,13–0,26 % |
Knaulgrasheu kann also deutlich gehaltvoller sein, als man von einem „mageren“ Spezialheu erwarten würde. Besonders frühe oder gut gedüngte Schnitte können proteinreicher sein. Für leichtfuttrige Pferde ist deshalb auch hier eine Analyse wichtig.
Weidelgrasheu für Pferde: Vorsicht bei Zucker, Fruktan und Endophyten
Weidelgras wird botanisch als Lolium bezeichnet. Häufig geht es um Deutsches Weidelgras, Lolium perenne, oder Italienisches Weidelgras, Lolium multiflorum. Weidelgräser sind sehr leistungsstarke Futtergräser. Sie werden gerne in intensiver Grünlandwirtschaft eingesetzt, weil sie hohe Erträge liefern, gut nachwachsen und nährstoffreiche Bestände bilden können.
Genau das macht sie für viele Pferde nicht automatisch ideal. Weidelgras kann je nach Sorte, Standort, Düngung und Wetter hohe Gehalte an wasserlöslichen Kohlenhydraten und Fruktanen erreichen. Für leichtfuttrige Pferde, Pferde mit EMS, Insulinresistenz oder Hufrehe-Neigung kann das schnell problematisch sein und selbst Sportpferde können mit solchem Heu Probleme bekommen.
Ein weiterer Punkt ist das Endophyten-Thema. Bei Weidelgras können bestimmte Endophyten Alkaloide bilden, die neurologische Symptome auslösen können. Besonders bei Grassamenheu aus Weidelgras wird auf mögliche Belastungen mit Lolitrem B und Ergovalin hingewiesen. Die Oregon State University empfiehlt deshalb bei Weidelgras- und Rohrschwingel-Grassamenstroh entsprechende Tests auf Alkaloide.
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Nährwert Weidelgrasheu / Ryegrass Hay |
Übliche Orientierung, in der Trockensubstanz |
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Trockensubstanz |
ca. 85–92 % |
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Rohprotein |
ca. 10–18 % |
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NDF |
ca. 55–64 % |
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ADF |
ca. 30–52 % |
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Zucker / wasserlösliche Kohlenhydrate |
teils deutlich erhöht, stark witterungs- und schnittabhängig, Werte werden mit bis zu 30 % angegeben! |
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Calcium |
ca. 0,02–0,69 % |
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Phosphor |
ca. 0,32–0,52 % |
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Kalium |
häufig relativ hoch |
In Studien und Analysedaten zu Deutschem Weidelgras finden sich hohe Schwankungen. Eine Untersuchung nennt für Lolium perenne Durchschnittswerte von etwa 15,2 % Rohprotein, 60,8 % NDF und 31,2 % ADF; andere Angaben zu Weidelgrasheu zeigen je nach Ernte und Material auch deutlich höhere ADF-Werte. Dabei verhalten sich Zucker und Protein gegenläufig: Bei guter Stickstoffdüngung steigt der Proteingehalt, während der Zuckerwert sinkt. Versucht man, diese Gräser “auszuhungern”, indem man die Düngung entzieht, sinkt der Proteingehalt, aber der Zuckergehalt kann exorbitant ansteigen.
Für Pferde ist Weidelgrasheu deshalb eher vorsichtig einzuordnen. Es kann für Pferde mit höherem Bedarf passen, ist aber für stoffwechselempfindliche Pferde nicht automatisch geeignet. Ohne Zucker-, Stärke- und möglichst Fruktanbewertung sollte es bei Risikopferden nicht pauschal eingesetzt werden.
Warum Grassamenheu oft nährstoffärmer wirkt
Viele Pferdehalter suchen Grassamenheu, weil sie ein „mageres“ Heu für leichtfuttrige Pferde brauchen. Tatsächlich kann Grassamenheu sehr strukturreich und energieärmer sein, vor allem wenn es spät geerntet wurde. Der Grund ist einfach: Je reifer ein Gras wird, desto mehr Stängelmasse und strukturgebende Fasern bildet es. Gleichzeitig sinken in der Regel Blattanteil, Verdaulichkeit und Rohprotein.
Das ist aber kein Automatismus. Ein sortenreines Grasheu, das früh geschnitten wurde, kann relativ proteinreich und gut verdaulich sein. Ein spät geschnittenes Wiesenheu kann dagegen deutlich energieärmer sein als ein gleich altes Timothy- oder Weidelgrasheu. Deshalb ist die Bezeichnung Grassamenheu nur ein Hinweis auf Herkunft und Pflanzenbestand, aber keine zuverlässige Aussage über den Futterwert.
Merke: Grassamenheu ist nicht automatisch mager. Es ist nur automatisch weniger vielfältig.
Grassamenheu im Vergleich zu artenreichem Wiesenheu
Ein gutes Wiesenheu stammt aus einem vielfältigen Pflanzenbestand. Es enthält verschiedene Gräser, je nach Standort auch Kräuter und manchmal kleine Anteile an Leguminosen. Diese Vielfalt ist nicht nur botanisch interessant für das Ökosystem “Wiese”, sondern kann auch für Fressverhalten, Darmflora und Nährstoffspektrum wertvoll sein. Es gibt Hinweise darauf, dass die Pflanzenvielfalt im Futter einen direkten Einfluss auf die Vielfalt des Mikrobioms beim Pferd hat.
Grassamenheu ist dagegen einheitlicher. Das kann Vorteile haben, wenn man für ein bestimmtes Pferd eine sehr kontrollierte Ration sucht oder wenn das Wiesenheu zu nährstoffreich ist und man es mit magerem Grassamenheu strecken möchte. Es kann aber auch ein Nachteil sein, wenn es dauerhaft als alleinige Raufutterquelle eingesetzt wird. Pferde sind darauf ausgelegt, über viele Stunden strukturreiches Pflanzenmaterial mit hoher Artenvielfalt aufzunehmen. Die Vielfalt im Wiesenheu entspricht diesem natürlichen Fressverhalten eher als eine dauerhafte Monokultur.
Daher sollte ein gutes, artenreiches, hygienisch einwandfreies und analysiertes Wiesenheu grundsätzlich die bevorzugte Raufutterbasis bleiben. Grassamenheu kann sinnvoll sein, wenn normales Heu zu reichhaltig, hygienisch problematisch oder für ein bestimmtes Pferd ungeeignet ist. Es ist aber eher ein gezielter Rationsbaustein als die grundsätzlich bessere Lösung.
Worauf man beim Kauf von Grassamenheu achten sollte
Beim Kauf von Grassamenheu reicht es nicht, nach dem Namen der Grasart zu fragen. Entscheidend ist die konkrete Charge. Pferdehalter sollten wissen, welche Grasart enthalten ist, ob es sich um Futterheu, Grassamenheu (Grassamenstroh) handelt, wann geerntet wurde und ob eine Analyse vorliegt.
Besonders wichtig sind Rohprotein, Zucker, Stärke, Rohfaser, NDF und ADF. Für stoffwechselempfindliche Pferde sind die leicht löslichen Kohlenhydrate entscheidend. Für schwerfuttrige Pferde oder Senioren kann dagegen ein zu spät geerntetes, sehr faserreiches Heu zu wenig verwertbare Energie liefern.
Auch die hygienische Qualität muss stimmen, das gilt für jedes Heu, das man füttern will. Grassamenheu darf nicht stauben, muffig riechen, Schimmelstellen zeigen oder stark verunreinigt sein. Ein optisch schönes, gleichmäßiges Heu ist noch kein gutes Pferdeheu, wenn es falsch gelagert wurde oder mikrobiell belastet ist.
Bei Festuca- und Weidelgrasprodukten aus Saatgutproduktion sollte außerdem das Endophyten- und Alkaloidthema mitgedacht werden. Das gilt besonders für tragende Stuten, Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte und für Ware unklarer Herkunft.
Ist Grassamenheu für Pferde gesund?
Grassamenheu kann gesund sein, wenn es zum Pferd passt. Es kann aber genauso ungeeignet sein wie jedes andere Heu. Entscheidend sind nicht der Modebegriff, die schöne Verpackung oder der englische Name, sondern Analyse, Hygiene, Pflanzenart, Schnittzeitpunkt und Rationszusammenhang.
Timothyheu kann ein gutes, moderates Pferdeheu sein. Festuca-Heu kann passen, wenn Herkunft und Endophytenfrage geklärt sind. Knaulgrasheu kann sehr brauchbar sein, wenn es nicht zu spät geerntet wurde und für ein Pferd mit Zahnproblemen gedacht ist. Weidelgrasheu sollte bei stoffwechselempfindlichen Pferden überaus kritisch geprüft werden, weil Protein-, Zucker- und Fruktangehalte relevant sein können.
Für gesunde Pferde mit normalem Bedarf ist ein gutes Wiesenheu oft die naheliegendere Wahl. Für leichtfuttrige Pferde, übergewichtige Pferde oder Pferde mit Stoffwechselproblemen kann analysiertes Grassamenheu eine hilfreiche Ergänzung oder Alternative sein. Ohne Analyse bleibt es aber ein Ratespiel.
Grassamenheu wird häufig als besonders kontrollierbares, sauberes und pferdegeeignetes Heu vermarktet. Das kann stimmen, muss aber nicht. Der wichtigste Unterschied zu normalem Wiesenheu liegt im Pflanzenbestand: Grassamenheu ist meist sortenarm bis sortenrein und stammt häufig aus gezieltem Grasanbau auf Ackerflächen.
Ob es für ein Pferd geeignet ist, entscheidet sich nicht am Namen Timothy, Lieschgras oder Festuca. Entscheidend sind Schnittzeitpunkt, Reifegrad, Nährwerte, hygienische Qualität und das individuelle Pferd. Für manche Pferde kann Grassamenheu eine sehr gute Lösung sein, besonders wenn ein kontrolliertes, strukturreiches Raufutter benötigt wird. Für viele Pferde bleibt ein gutes, artenreiches Wiesenheu aber die physiologisch sinnvollere Grundlage. Und auch der Preis spielt eine Rolle, denn Grassamenheu wird oft als “hochwertiger” vermarktet, obwohl es einem guten Wiesenheu deutlich unterlegen sei kann.
Die beste Entscheidung entsteht daher nicht aus dem Trend, sondern aus der Analyse: Was steckt wirklich im Heu, und passt es zu diesem Pferd? Und welchen Preis ruft der Landwirt für diese Qualität auf? Genau diese Fragen sollte vor jedem Kauf von Grassamenheu beantwortet werden.