Rationsberechnung auf wackligem Fundament: Warum Heuanalysen je nach Labor stark schwanken – und was das für eine Rationsberechnung bedeutet

Nahaufnahme von einem Landwirt, der Heu auf dem Feld aufschüttelt

© Adobe Stock / volga1971

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Rationsberechnung ist immer nur so genau wie ihre beiden Eingangsgrößen: der Nährstoffgehalt des Heus und die tatsächlich gefressene Menge. Sind beide unsicher, ist auch ein auf zwei Nachkommastellen berechnetes Ergebnis trügerisch.
  • In einem praktischen Test wurde dieselbe, sorgfältig homogenisierte Heuprobe an drei verschiedene Labore geschickt. Die Rohfaser lag fast identisch (39,1 bis 40,4 % der Trockensubstanz), während Zucker (5,8 bis 9,5 %), Rohasche (4,6 bis 7,0 %) und das praecaecal verdauliche Protein (2,0 bis 3,3 %) erheblich auseinanderliefen.
  • Ausgerechnet die für EMS-, Cushing- und rehegefährdete Pferde entscheidenden Zuckerwerte schwankten am stärksten – um mehr als 60 Prozent zwischen niedrigstem und höchstem Laborergebnis.
  • Die Labore benennen ihre Messunsicherheit selbst: Ein Labor gibt für Zucker ±31,6 Prozent relativ an, ein anderes ±3,5 Prozentpunkte absolut. Ein gemessener Zuckerwert von 5,8 % kann demnach „in Wahrheit“ irgendwo zwischen rund 2 und 9 % liegen.
  • Hauptursachen sind die Probennahme aus inhomogenem Heu, unterschiedliche Analysemethoden (Nasschemie gegenüber NIRS) und biologische Veränderungen der Probe selbst – erhöhte Hefe- und Schimmelpilzzahlen können Zucker und Fruktan nachträglich abbauen.
  • Heuanalysen bleiben sinnvoll – aber als Orientierung über Größenordnungen, nicht als exakte Wahrheit. Wer dauerhaft dasselbe akkreditierte Labor nutzt, mit Sicherheitsmargen rechnet und das Pferd selbst (Gewicht, Body Condition, Kot, Fell) als „lebenden Messwert“ beobachtet, trifft bessere Entscheidungen als jedes Rechenprogramm.

 

Heuanalysen gehören in einer guten Futterberatung längst zum Standard – und das ist grundsätzlich richtig. Wer wissen will, was im Trog landet, kommt am Labor kaum vorbei. Aus den Analysewerten errechnen Fütterungsprogramme dann eine Ration und liefern Zahlen bis auf die zweite Nachkommastelle: so viel Energie, so viel Protein, so viel Zucker pro Tag. Das vermittelt ein beruhigendes Gefühl von Kontrolle. Doch genau dieses Gefühl kann trügen. Denn eine Rechnung ist immer nur so verlässlich wie die Zahlen, die man oben hineingibt – und bei Heuanalysen sind diese Zahlen deutlich unsicherer, als die saubere Optik eines Laborberichts vermuten lässt.

Den Anstoß zu diesem Artikel gab ein konkreter Praxisfall: Über ein Missverständnis wurde dieselbe Heucharge gleich an zwei Labore geschickt – mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Was zunächst nach einem Zufall aussah, ließ sich anschließend gezielt nachstellen und bestätigen. Die Resultate stellen die Aussagekraft punktgenauer Rationsberechnungen ernsthaft infrage.

Was eine Rationsberechnung eigentlich voraussetzt

Eine Rationsberechnung beruht im Kern auf einer einfachen Multiplikation: Nährstoffgehalt pro Kilogramm Futter, mal die täglich gefressene Futtermenge, ergibt die Versorgung des Pferdes. Daraus wird abgeleitet, ob Energie, Protein, Zucker oder Mineralstoffe im Soll liegen oder ob ergänzt werden muss. Das Verfahren ist bei vielen Futterberatern beliebt und etabliert – die Bedarfswerte der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) bilden dafür eine fundierte Grundlage.

Das Problem liegt nicht so sehr in der Formel, sondern in ihren beiden Eingangsgrößen. Beide sind in der Praxis mit erheblicher Unsicherheit behaftet: Der „Nährstoffgehalt pro Kilogramm“ stammt aus einer Laboranalyse, deren Genauigkeit – wie sich zeigen wird – begrenzt ist. Und die „gefressene Menge“ kennt kaum jemand wirklich exakt, besonders in der Gruppenhaltung. Wenn beide Faktoren wackeln, dann wackelt zwangsläufig auch das Ergebnis – ganz gleich, wie präzise die Nachkommastellen am Ende aussehen.

Der Praxistest: dieselbe Heucharge, drei Labore, drei Ergebnisse

Um auszuschließen, dass die Abweichungen nur an unterschiedlichem Heu liegen, wurde eine einzige Heucharge besonders sorgfältig beprobt: Die Halme wurden sogar zerschnitten, um eine möglichst homogene Probe zu erhalten. Aus diesem gut durchmischten Material gingen drei nahezu identische Teilproben an drei verschiedene Futtermittellabore. Im Idealfall müssten dabei drei sehr ähnliche Ergebnisse herauskommen. Tatsächlich sahen sie so aus:

Parameter (% der Trockensubstanz)

Labor A

Labor B

Labor C

Spanne

Rohfaser

39,1

40,1

40,4

1,03×

Rohprotein

4,9

4,0

5,9

1,46×

pcv Rohprotein*

3,3

2,0

2,2

1,65×

Rohasche

7,0

4,6

6,3

1,52×

Zucker (gesamt)

5,8

7,9

9,5

1,63×

Fruktan

5,9

6,3

5,6

1,12×

Energie ME (MJ/kg)

5,7

6,0

5,3

1,13×

* pcv Rohprotein = praecaecal (im Dünndarm) verdauliches Rohprotein – der Proteinwert, der für die Bedarfsdeckung des Pferdes tatsächlich in die Berechnungen einflließt. Spalte „Spanne“: Verhältnis von höchstem zu niedrigstem Laborwert.

Das Muster ist aufschlussreich. Die Rohfaser – also der Gerüstsubstanzanteil – liegt mit 39,1 bis 40,4 % praktisch deckungsgleich; die drei Labore sind sich hier bis auf wenige Prozent einig. Bei nahezu allen anderen Werten klaffen die Ergebnisse dagegen auseinander: Das verdauliche Protein schwankt um den Faktor 1,65, die Rohasche um 1,52, und der Zuckergehalt – der für stoffwechselkranke Pferde wichtigste Einzelwert überhaupt – um den Faktor 1,63. In absoluten Zahlen heißt das: Dasselbe Heu erscheint je nach Labor mit 5,8, 7,9 oder 9,5 Prozent Zucker.


Warum das für EMS- und Rehepferde brisant ist

Für zuckersensible Pferde gilt häufig ein Orientierungswert von unter 6 % Zucker im Heu als vertretbar. Beim niedrigsten Laborwert (5,8 %) wirkt das Heu komfortabel im grünen Bereich; beim höchsten (9,5 %) liegt es bereits hart an der Grenze der maximal 10%, die für gesunde Pferde noch akzeptabel sind. Dieselbe Heucharge – einmal als unbedenklich, einmal als grenzwertig eingestuft. Wer eine Fütterungsentscheidung allein an einem einzelnen Zuckerwert festmacht, baut sie auf Sand.

 

Warum die Rohfaser stabil bleibt – und Zucker, Protein und Asche wandern

Dass ausgerechnet die Rohfaser so eng beieinanderliegt, ist kein Zufall. Auf Nachfrage erläuterte eines der beteiligten Labore die Zusammenhänge nachvollziehbar. Die Rohfaser spiegelt vor allem den Reifegrad und das Schnittdatum des Grases wider – Eigenschaften, die in einer Charge weitgehend einheitlich sind. Deshalb fällt dieser Wert robust und gut vergleichbar aus.

Anders bei Protein und Zucker: Hier schlagen schon kleine Unterschiede in der botanischen Zusammensetzung durch. Wiesenheu ist kein homogenes Pulver, sondern ein Gemisch aus vielen Gräsern und Kräutern mit unterschiedlichen Blatt-Stängel-Verhältnissen. Je nachdem, welche Halme zufällig in die wenige Gramm schwere Analyseprobe geraten, verschiebt sich das Ergebnis. Das Labor brachte es auf den Punkt: Bei inhomogenem Aufwuchs kann selbst bei guter Aufbereitung schon ein einziger Halm ausreichen, um den Messwert spürbar zu verändern. Abweichungen beim Aschegehalt wiederum deuten meist auf Verunreinigungen mit Sand oder auf Unterschiede im Mineralstoffgehalt hin.

Diese Beobachtung deckt sich mit der internationalen Fachliteratur zur Raufutteranalytik: Übereinstimmend gilt dort die Probennahme als die mit Abstand größte Fehlerquelle – noch vor allem, was später im Labor passiert. Eine repräsentative Probe aus mehreren Ballen einer Charge, idealerweise mit einem Heubohrer gezogen, ist deshalb wichtiger als die Wahl des Labors.

Messunsicherheit: Was die Labore selbst über ihre Zahlen sagen

Ein oft übersehener Punkt steht in den Laborberichten selbst – meist klein gedruckt auf den hinteren Seiten: die sogenannte erweiterte Messunsicherheit. Sie gibt den Bereich an, in dem der „wahre“ Wert mit etwa 95-prozentiger Sicherheit liegt. Und diese Angaben haben es in sich.

Ein Labor beziffert die Unsicherheit seiner Zuckerbestimmung mit ±3,5 Prozentpunkten – nicht relativ, sondern absolut. Bei einem ausgewiesenen Zuckerwert von 5,8 % bedeutet das: Der tatsächliche Gehalt kann rechnerisch irgendwo zwischen rund 2,3 und 9,3 % liegen. Ein anderes Labor gibt die Unsicherheit relativ an und nennt für Zucker ±31,6 % sowie für Rohfett ±21,2 %. Beide Labore sagen damit im Grunde dasselbe: Gerade die Zuckerwerte sind die wackeligsten überhaupt. Zum Vergleich liegen die Unsicherheiten für Rohprotein und Rohfaser mit ±1,6 bis ±3,7 Prozentpunkten bzw. ±7,7 % deutlich niedriger.


Merksatz

Ein Laborwert ist kein Punkt, sondern ein Bereich. Die zweite Nachkommastelle im Rationsprogramm suggeriert eine Genauigkeit, die das zugrunde liegende Analyseergebnis gar nicht hergibt.

 

NIRS oder Nasschemie? Warum die Methode den Zuckerwert verschiebt

Ein wesentlicher Teil der Unterschiede zwischen den Laboren erklärt sich aus den verwendeten Methoden. Grundsätzlich gibt es zwei Wege. Bei der Nasschemie wird der Inhaltsstoff direkt chemisch bestimmt. Bei der Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) wird die Probe dagegen mit Infrarotlicht durchleuchtet und der Gehalt über ein hinterlegtes Rechenmodell geschätzt – schnell und günstig, aber eben eine Vorhersage und keine direkte Messung. Im vorliegenden Test bestimmte ein Labor Zucker und Fruktan nasschemisch, ein anderes per NIRS. Genau hier lag die größte Differenz: 5,8 % (Nasschemie) gegenüber 9,5 % (NIRS).

Dass dies kein Einzelfall ist, zeigt eine pferdespezifische Studie. Ein Forschungsteam verglich die nasschemische Zuckerbestimmung mit vier kommerziellen NIRS-Verfahren an 64 Raufutterproben. Das Ergebnis: große Abweichungen zwischen allen Methoden – und beim wasserlöslichen Zucker (WSC) überschätzten alle vier NIRS-Verfahren den Gehalt systematisch, im Mittel um rund 15 bis 27 Gramm pro Kilogramm Trockensubstanz. Genau in diese Richtung – und in vergleichbarer Größenordnung – weicht auch der NIRS-Wert im Praxistest nach oben ab. Für die Fütterung bedeutet das: Wenn der Zuckergehalt die entscheidende Größe ist, etwa bei rehegefährdeten Pferden, sollte man im Zweifel eine nasschemische Bestimmung bevorzugen.


Kurz erklärt: die wichtigsten Zucker-Begriffe

  • ESC (ethanollösliche Kohlenhydrate): im Wesentlichen die Einfachzucker – sie lassen den Blutzucker direkt ansteigen.
  • WSC (wasserlösliche Kohlenhydrate): ESC plus Fruktane, also auch die pflanzlichen Speicherzucker der Gräser.
  • Fruktan: wird im Dünndarm nicht aufgespalten, sondern erst im Dickdarm bakteriell vergoren – und gilt als Mitauslöser von Hufrehe.
  • NSC (nichtstrukturelle Kohlenhydrate): meist Zucker plus Stärke. Weil die Labore hier unterschiedlich rechnen und messen, wird der NSC-Wert international zunehmend kritisch gesehen.

 

Wenn sich die Probe selbst verändert: Zucker, Fruktan und Mikrobiologie

Selbst dasselbe Labor mit derselben Methode liefert nicht immer identische Werte – und auch dafür gibt es eine biologische Erklärung. Bei wiederholten Analysen von Heu derselben Herkunft blieben Protein, Faser und Energie eng beieinander, während Zucker und Fruktan am stärksten schwankten. Auffällig: Eine der Proben wies stark erhöhte Hefe- und Schimmelpilzzahlen auf – über 1,5 Millionen koloniebildende Einheiten pro Gramm, mit nachgewiesenem Schimmelpilzbefall.

Das ist kein Widerspruch, sondern die Erklärung. Hefen und Schimmelpilze ernähren sich von genau den Zuckern und Fruktanen, die analysiert werden sollen. Ist eine Probe mikrobiell belastet – etwa weil das Heu nicht optimal getrocknet oder gelagert wurde –, bauen die Mikroorganismen einen Teil dieser Zucker schlicht ab, bevor oder während die Probe ins Labor gelangt. Der gemessene Zuckerwert sinkt dann nicht, weil das Heu „zuckerärmer“ wäre, sondern weil die Probe sich biologisch verändert hat. Damit ist selbst die Wiederholbarkeit am selben Heu keine Selbstverständlichkeit.

Die zweite große Unbekannte: Wie viel frisst das Pferd wirklich?

Selbst wenn die Analyse exakt wäre, bliebe die zweite Eingangsgröße der Rechnung unsicher: die tatsächlich gefressene Menge. Rationsprogramme rechnen mit einem angenommenen Verzehr – beispielsweise mit der Mindestmenge von 1,5 kg Heu je 100 kg Körpermasse oder mit Beispielwerten wie 9 kg pro Tag. Die Laborberichte selbst weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei freier Raufuttervorlage die tatsächliche Aufnahme überprüft werden muss. Genau das ist in der Praxis aber kaum möglich.

In artgerechter Gruppenhaltung – die aus Gründen der Pferdegesundheit klar zu bevorzugen ist – lässt sich nicht für jedes einzelne Tier abwiegen, wie viel es frisst. Ranghohe Pferde fressen mehr, rangniedrige weniger; zuckersüchtige oder insulinresistente Pferde fressen gerade von zuckerhaltigem Heu oft deutlich mehr als gesunde Pferde; an Raufen, Heunetzen und Slowfeedern entstehen Verluste durch Heraussortieren und Vertreten; und über den Tag verteilt schwankt die Aufnahme erheblich. Wer aus der bloßen Vorlagemenge auf die individuelle Aufnahme schließt, der schätzt – mehr nicht. Damit trägt auch der zweite Faktor der Rationsformel eine Unsicherheit von leicht 20 bis 30 Prozent oder mehr in sich.

Mathematisch verschärft sich das Problem: Multipliziert man zwei Größen, die je für sich um 30 bis 60 Prozent unsicher sind, dann kann das Endergebnis um ein Vielfaches danebenliegen. Eine Ration, die auf zwei Nachkommastellen genau ausgewiesen wird, kann in Wahrheit gut und gerne um ein Drittel oder mehr von der Realität abweichen.

Scheingenauigkeit: Warum zwei Nachkommastellen trügerisch sind

Das eigentliche Risiko liegt nicht im Rechnen selbst, sondern im falschen Vertrauen in das Ergebnis. Ein sauber formatierter Ausdruck mit präzisen Zahlen wirkt objektiv und endgültig – und verleitet dazu, das lebende Pferd aus dem Blick zu verlieren. Erfahrene Fütterungsfachleute gehen deshalb längst anders vor: Sie behandeln berechnete Rationen als grobe Orientierung und passen die Ration bewusst immer wieder an die Entwicklung des Pferdes an, statt sich auf Punktwerte zu verlassen. Auch die internationale Fachdiskussion bewegt sich in diese Richtung – der lange übliche NSC-Wert wird zunehmend kritisch gesehen, gerade weil er je nach Methode und Berechnung so unterschiedlich ausfällt.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass Heuanalysen überflüssig wären – im Gegenteil. Sie liefern wertvolle Größenordnungen: ob ein Heu grundsätzlich energiearm oder energiereich ist, ob der Zuckergehalt eher unkritisch oder eher heikel liegt, ob Auffälligkeiten wie Sandbelastung oder Schimmel vorliegen. Diese Einordnung ist Gold wert. Was die Analyse nicht leisten kann, ist die Gramm-genaue Steuerung einer Ration – und genau diese Erwartung sollte man nicht an sie stellen.

Was das für die Praxis bedeutet

Aus den Befunden lassen sich konkrete, handlungsleitende Grundsätze für Pferdehalter, Stallbetreiber und Fachleute ableiten:

  • Heuanalysen weiterhin nutzen – aber als Orientierung über Größenordnungen, nicht als exakte Wahrheit. Sie zeigen Tendenzen, keine punktgenauen Ergebnisse.
  • Dauerhaft beim selben, akkreditierten Labor und derselben Methode bleiben. So sind die Werte über die Zeit wenigstens untereinander vergleichbar, auch wenn sie nicht absolut „richtig“ sind.
  • Den robusten Parametern (Rohfaser, grobe Energieeinordnung) mehr vertrauen als den volatilen (Zucker, Fruktan, verdauliches Protein) – und Letztere mit der angegebenen Messunsicherheit lesen.
  • Repräsentativ beproben: mit dem Heubohrer aus vielen Ballen einer Charge, gut mischen, möglichst zeitnah zur Verfütterung. Die Probennahme entscheidet stärker über das Ergebnis als das Labor.
  • Wenn der Zuckergehalt die entscheidende Größe ist (EMS, Cushing, Hufrehe), eine nasschemische Bestimmung bevorzugen und im Zweifel konservativ handeln – Heu einweichen, Zugang über Heunetze steuern, Zucker selber mit Hilfe eines Refraktometers nachbestimmen.
  • Mit Sicherheitsmargen statt Scheingenauigkeit arbeiten. Lieber bewusst einen Puffer einplanen, als sich auf die zweite Nachkommastelle zu verlassen.
  • Das Pferd als „lebenden Messwert“ ernst nehmen: Körpergewicht und Fett- bzw. Lympheinlagerungen beachten, Kotbeschaffenheit, Fell, Bemuskelung und Leistungsbereitschaft verraten oft mehr über die tatsächliche Versorgung als jede Tabelle.

Rechnen ja – aber mit Demut vor den Zahlen

Die Heuanalyse ist ein wertvolles Werkzeug und hilft dabei, Fütterung systematisch zu denken. Problematisch wird es erst, wenn die saubere Optik der Zahlen eine Genauigkeit vortäuscht, die weder die Analyse noch die Kenntnis der Fressmenge hergibt. Dieselbe Heucharge kann je nach Labor als zuckerarm oder grenzwertig, als proteinarm oder ausreichend versorgt erscheinen – und in der Gruppenhaltung weiß niemand auf das Kilo genau, wie viel das einzelne Pferd davon frisst.

Die ehrlichste Schlussfolgerung lautet daher: Rechnen ja, aber mit Demut vor den Zahlen statt blindem Glauben an den Rationsrechner. Wer die Größenordnungen aus der Analyse nutzt, dieselbe Methode konsequent beibehält, Sicherheitsmargen einplant und vor allem das Pferd selbst aufmerksam beobachtet, füttert am Ende sicherer und gesünder als jemand, der einer auf zwei Nachkommastellen berechneten Ration blind vertraut.

 


Quellen

1.   Le Cocq K, Harris P, Bell N, Burden FA, Lee MRF, Davies DR. „Comparisons of commercially available NIRS-based analyte predictions of haylage quality for equid nutrition.“ Animal Feed Science and Technology, 2022;283:115158. DOI: 10.1016/j.anifeedsci.2021.115158

2.   „Comparison of NIRS and Wet Chemistry Methods for the Nutritional Analysis of Haylages for Horses.“ Journal of Equine Veterinary Science, 2018. DOI: 10.1016/j.jevs.2018.08.013

3.   Hoffman RM, Wilson JA, Kronfeld DS, et al. „Hydrolyzable carbohydrates in pasture, hay, and horse feeds: direct assay and seasonal variation.“ Journal of Animal Science, 2001;79(2):500–506. DOI: 10.2527/2001.792500x

4.   University of Wisconsin – Soil & Forage Analysis Lab: „The largest error in forage analysis is improper sampling methods on the farm.“  uwlab.soils.wisc.edu/forage

5.   Undersander D. et al. „Interpreting forage quality tests.“ Progressive Cattle / Ag Proud (Sampling als größte Fehlerquelle; NFTA-Zertifizierung für CP, ADF, NDF). https://www.agproud.com/articles/48120-interpreting-forage-quality-tests

6.   Oregon State University Extension (EM 9415): „Understanding Sugar and Nonstructural Carbohydrates in Equine Pasture and Hay.“  https://extension.oregonstate.edu/catalog/em-9415-understanding-sugar-nonstructural-carbohydrates-equine-pasture-hay

7.   The Horse: „Changing Carbohydrate Evaluations in Animal Diets“ – zur methodenbedingten Variation und zum Rückzug des NSC-Werts. https://thehorse.com/127958/changing-carbohydrate-evaluations-in-animal-diets/

8.   Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, 2014. Grundlage der Fütterungsempfehlungen in den verwendeten Laborberichten.

9. Datengrundlage: fünf reale Futtermittel-Prüfberichte (LUFA Nord-West, LKS, Raiffeisen-Laborservice) derselben bzw. herkunftsgleicher Heuchargen, 2025/2026, sowie die fachliche Stellungnahme eines der Labore zur Frage der Abweichungen.

 

Team Sanoanimal

Team Sanoanimal

Wir sind ein erfahrenes Team von Therapeuten, spezialisiert auf Futterberatung und integrierte Tiertherapien für Pferde. Mit umfassender Erfahrung in der Behandlung von Stoffwechselproblemen setzen wir auf artgerechte Fütterung und naturheilkundliche Mittel, um die Gesundheit Ihres Pferdes zu verbessern. Profitieren Sie von unserem Wissen für das Wohl Ihres Pferdes.

Weitere Artikel zu dieser Kategorie

Anzeige
Suchergebnisse werden zusammengestellt...