Hufgesundheit nach dem Winter: Beschlag, Barhuf oder Alternativen?

© Adobe Stock / PROMA

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Übergang vom Winter zur Weidesaison erfordert besondere Aufmerksamkeit für die Hufgesundheit
  • Verschiedene Beschlagvarianten haben individuelle Vor- und Nachteile
  • Strahlfäule und Abszesse können auf tieferliegende Stoffwechselprobleme hinweisen
  • Zink- oder Schwefelmangel während des Fellwechsels kann die Hufqualität beeinträchtigen
  • Frühzeitige Erkennung und professionelle Beratung sind entscheidend

Die Hufgesundheit im Fokus des Frühjahrs

Nach der Winterpause stehen Pferdehalter vor der Herausforderung, die Hufgesundheit ihrer Pferde sorgfältig zu bewerten. Der Übergang von der nasskalten Jahreszeit zur sommerlichen Weidesaison erfordert eine genaue Analyse und möglicherweise Anpassungen im Hufmanagement. Denn nach den Monaten Winterauslauf, wo man oft mit zu viel Nässe und stundenlangem Stehen im Matsch des Offenstalls oder dem Mist der Box zu kämpfen hat, steht die trockene Jahreszeit vor der Tür, wo das Hufhorn oftmals stark austrocknet und ganz neue Probleme entwickeln kann. Statt der Strahlfäule, gegen die man im Winter angeschmiert hat, kommen jetzt die Hornrisse und -spalten aufgrund von Austrocknung. Dazu steht das Anweiden vor der Tür, mit seinem Risiko für einen Hufreheschub bei allen leichtfuttrigen Kandidaten.

Hufbeschlag ja oder nein?

Eine Frage, die man gar nicht so pauschal beantworten kann, denn jedes Pferd und die Anforderungen an seine Leistung sind individuell. Daher wollen wir uns kurz die Vor- und Nachteile anschauen, sodass jeder für sein Pferd herausfinden kann, was die sinnvollste Lösung ist

Hufeisen

Traditionelle Hufeisen bieten Schutz und Unterstützung, insbesondere für Pferde mit intensiver Nutzung oder problematischen Hufen.

Sie können:

  • Abnutzung reduzieren
  • Traktion auf unterschiedlichen Untergründen verbessern
  • Bei Stellungsproblemen therapeutisch eingesetzt werden

Nachteile umfassen:

  • Einschränkung der natürlichen Hufmechanik
  • Höhere Kosten durch regelmäßiges Beschlagen
  • Mögliche Druckstellen oder Verletzungsrisiken

Barhuf

Der Barhuf ist eigentlich die natürlichste Form für das Pferd und ermöglicht die optimale Bewegung und Hufmechanik. Barhufpferde können sehr gut mit ihren Hufen den Untergrund ertasten und ihre Bewegung daran anpassen, was das Risiko für Stürze oder Unfälle reduziert.

Vorteile sind:

  • Bessere Durchblutung
  • Stärkung des Hufhorns je nach Beanspruchung
  • Keine Kosten für Beschlag
  • Optimale Stoßdämpfung

Nachteile können sein:

  • Starke Abnutzung bei intensiver Nutzung
  • Nicht für alle Pferde und Einsatzgebiete geeignet (z.B. Fahr- und Springsport)
  • Empfindlichkeit auf steinigen Untergründen

Alternativen zum Beschlag

Auch wenn man selbst von Barhuf als optimaler Lösung für ein artgerechtes Pferdeleben überzeugt ist oder negative Erfahrungen mit Beschlägen gemacht hat – leider kommt nicht jedes Pferd ganz ohne Hufschutz zurecht. Daher haben sich zum Glück neben der klassischen „Eisen oder barhuf?“ Entscheidung viele neue Alternativen entwickelt, die versuchen, dem natürlichen Hufmechanismus soweit wie möglich entgegen zu kommen, während sie gleichzeitig einen Schutz bieten bei den Aktivitäten, die wir Menschen mit unseren Pferden gerne unternehmen.

Klebe-Beschläge

Eine moderne Alternative, die:

  • geringere Belastung für den Huf und die Gelenke bedeutet
  • flexibler ist als traditionelle Hufeisen
  • eine gute Option für kurzzeitige Unterstützung in der Umstellung auf Barhuf oder bei besonderen Belastungen sein kann.

Allerdings bleiben die Klebe-Beschläge nicht bei jedem Pferd gut an den Hufen haften und es macht überhaupt keinen Spaß, jede Woche den Hufbearbeiter zu holen, um weggeflogene Beschläge zu ersetzen. Außerdem kann es problematisch sein, wenn das Pferd mit dem Klebebeschlag hängenbleibt: es gibt genügend Horrorgeschichten von halb abgerissenen Hornwänden. Hier ist eine gute Beratung durch einen erfahrenen Hufbearbeiter gefragt, der das Pferd und seine Situation am besten einschätzen und entsprechend zu- oder abraten kann.

Hufschuhe

Bieten eine flexible Lösung:

  • Nutzbar bei Barhuf-Pferden
  • Schutz bei anspruchsvollen Untergründen, beispielsweise auf Ausritten
  • Leicht an- und abzunehmen

Aber auch hier gilt: nicht jedes Pferd kommt mit Hufschuhen gut zurecht. Bei einigen muss man alle hundert Meter absteigen, um seine Hufschuhe wieder einzusammeln und neu anzulegen. Andere bekommen Druckstellen. Deshalb gilt auch hier: mit einem erfahrenen Fachmann sprechen, der sich die Situation des Pferdes genau anschaut und ein passendes Modell empfehlen kann.

Saisonale Herausforderungen

Neben den grundsätzlichen Fragen, ob man sein Pferd für die kommende Saison beschlagen möchte bzw. muss oder eine barhuf-Variante wählt und vielleicht mit Hufschuhen ergänzt, sind im Frühjahr im Bezug auf die Hufe noch ein paar andere Dinge zu beachten.

Schnee-Grips entfernen

Für beschlagene Pferde ist jetzt der Zeitpunkt, die Schnee-Grips zu entfernen, die während des Winters das Aufstollen von Schnee unter der Hufsohle verhindert haben. Das sollte der Schmied beim nächsten Termin gleich mit erledigen.

Strahlfäule und Abszesse: Mehr als nur ein Hufproblem

Strahlfäule und Abszesse, die vor allem im Winter und Frühling bei manchen Pferden auftreten, sind oft Symptome tieferliegender Stoffwechselprobleme. Sie deuten auf ein geschwächtes Immunsystem hin, das während des Fellwechsels besonders anfällig ist. Wenn sich diese Probleme nicht mit Abklingen des Fellwechsels normalisieren, empfiehlt sich die Konsultation eines Stoffwechselspezialisten.

Ernährung und Hufgesundheit

Der Fellwechsel verbraucht bedeutende Mengen an Zink und Schwefel für die Haarbildung. Dies kann die Hufqualität vorübergehend beeinträchtigen. In solchen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel wie Zinkchelat und organischer Schwefel sinnvoll sein. Präparate wie OKAPI Zinkchelat Plus und OKAPI Schwefel Plus können helfen, Nährstoffdefizite auszugleichen.

Fazit: Ganzheitliche Hufpflege

Die Hufgesundheit ist ein Spiegelbild der Gesamtgesundheit des Pferdes. Eine aufmerksame Beobachtung, professionelle Beratung und individuelle Pflege sind der Schlüssel zu gesunden, starken Hufen.

Mehr Informationen zum Thema Hufgesundheit und-pflege gibt es auf unserer Themenseite: Hufe

Team Sanoanimal

Team Sanoanimal

Wir sind ein erfahrenes Team von Therapeuten, spezialisiert auf Futterberatung und integrierte Tiertherapien für Pferde. Mit umfassender Erfahrung in der Behandlung von Stoffwechselproblemen setzen wir auf artgerechte Fütterung und naturheilkundliche Mittel, um die Gesundheit Ihres Pferdes zu verbessern. Profitieren Sie von unserem Wissen für das Wohl Ihres Pferdes.

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