Onlineseminar Pferde fit füttern ✓ Erweitere dein Wissen im Bereich der Pferdefütterung. ➨ Jetzt informieren und teilnehmen.
Artikel lesenHilfe, mein Pferd buckelt! Die 8 häufigsten Gründe, warum Pferde bocken
© Adobe Stock / Annabell Gsödl
Das Wichtigste in Kürze
- Buckeln ist eine Kommunikation, keine Boshaftigkeit – Pferde buckeln nie ohne Grund, auch wenn er nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.
- Schmerz ist die häufigste und wichtigste Ursache: Rücken, Sattel, Magen, Zähne oder das Iliosakralgelenk – die Liste möglicher Schmerzquellen ist lang und sollte zuerst ausgeschlossen werden.
- Übermut, Freude und überschüssige Energie sind harmlose, aber nicht zu ignorierende Auslöser – besonders im Frühjahr und im Winter.
- Bewegungsmangel und falsche Haltung sind unterschätzte Faktoren: Ein Pferd, das zu wenig Auslauf hat, wird beim Reiten “Dampf ablassen”.
- Überforderung und Kommunikationsprobleme zwischen Pferd und Reiter können Buckeln auslösen, das nichts mit Schmerz oder Übermut zu tun hat.
- Erlerntes Verhalten kann sich hartnäckig halten – auch wenn der ursprüngliche Auslöser längst behoben ist.
- Vor jeder Korrektur steht die Ursachensuche: Wer ein buckelndes Pferd bestraft, ohne den Grund zu kennen, tut ihm möglicherweise unrecht.
„Mein Pferd buckelt" – ein Satz, der bei vielen Reitern sofort ein mulmiges Gefühl auslöst. Gerade im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, die Hormone hochkochen und viele Pferde nach dem Winter “aufwachen”, ist Buckeln ein Thema, das viele Stallgassen beschäftigt. Aber auch im tiefen Winter, wenn es kalt ist und die Pferde vor Energie zu platzen scheinen, kommt es gehäuft zu unerwünschten Rodeo-Szenen auf dem Reitplatz.
Was steckt dahinter? Und vor allem: Was tun?
Rückenschmerzen: Der häufigste und ernstzunehmendste Grund
Wenn ein Pferd buckelt, sollte Schmerz als Ursache immer zuerst ausgeschlossen werden – insbesondere dann, wenn das Buckeln neu auftritt oder nur unter Sattel und Reiter vorkommt. Der Rücken ist dabei die erste Anlaufstelle. Rückenprobleme äußern sich oft schleichend: Das Pferd zuckt beim Abtasten zusammen, legt die Ohren beim Satteln an, drückt den Rücken weg oder buckelt beim Angaloppieren. In schweren Fällen, etwa bei Kissing Spines – also zu eng stehenden Dornfortsätzen der Wirbelsäule – verursacht bereits das Gewicht von Sattel und Reiter Schmerzen, die das Pferd durch Buckeln zu beseitigen versucht.
Wichtig zu wissen: Rund 80 Prozent aller Rückenprobleme beim Pferd entstehen als Folge einer bestehenden Hinterhandproblematik. Wer also nur den Rücken behandelt, ohne die eigentliche Ursache zu finden, löst das Problem nicht dauerhaft.
Der falsch sitzende Sattel: Klein im Preis, groß im Schaden
Ein Sattel, der nicht passt, ist einer der häufigsten Auslöser für Buckeln. Druckpunkte hinter dem Widerrist, zu enge Kammer, falscher Schwerpunkt – all das führt zu Muskelverspannungen, Schmerzen und einem Pferd, das verständlicherweise keine Lust hat, ruhig, locker und motiviert unter dem Reiter zu laufen. Manche Pferde haben sogar einen sogenannten „bockenden Punkt": Fester Druck auf eine bestimmte Stelle am Rücken genügt, um Austreten, Schnappen oder Buckeln auszulösen. Sättel sollten regelmäßig von einem Sattler kontrolliert und angepasst werden – insbesondere bei Pferden, die Muskelmasse auf- oder abbauen.
Magengeschwüre: Wenn der Bauch beim Reiten wehtut
Magengeschwüre sind bei Pferden weit verbreitet – Schätzungen zufolge sind zwischen 60 und 90 Prozent aller aktiv gerittenen Pferde betroffen. Das Problem: Beim Galoppieren schwappt der Mageninhalt herum, die Magensäure kommt mit der empfindlichen, drüsenlosen oberen Magenregion in Kontakt – das tut weh. Die Folge kann ein Pferd sein, das beim Angaloppieren buckelt oder spannt, sich gegen den Schenkel wehrt oder beim Nachgurten schnappt und tritt. Magengeschwüre können durch eine sogenannte “therapeutische Diagnostik” sicher abgeklärt werden: Man therapiert für einige Wochen auf Magengeschwüre und wenn das Verhalten besser wird, weiss man, woran man ist. Ein kompetenter Therapeut kann hier helfen, Magenprobleme als mögliche Ursache abzuklären: www.sanoanimal.de/therapeuten
Iliosakralgelenk und Hinterhand: Der unterschätzte Schmerzort
Das Iliosakralgelenk, also die Verbindung zwischen Becken und Kreuzbein, ist eine häufig übersehene Schmerzquelle. Blockierungen oder Entzündungen in diesem Bereich können dazu führen, dass das Pferd unter dem Reiter buckelt, in den Kreuzgalopp fällt oder Probleme beim Angaloppieren zeigt. In einigen Fällen kann sogar ein geschädigter Nerv dafür sorgen, dass das Pferd vorsichtshalber weiter buckelt, obwohl der ursprüngliche Schmerzreiz schon behoben wurde – das Nervensystem erinnert sich sozusagen. Hier ist osteopathische und physiotherapeutische Unterstützung gefragt.
Übermut und Frühjahrsenergie: Wenn der Körper explodiert vor Freude
Es ist April, die Sonne scheint zum ersten Mal wirklich warm, die Weide riecht nach frischem Gras – und dein Pferd macht beim Angaloppieren drei Freudenböcke. Das ist keine Aggression, kein Aufruhr, kein Angriff. Das ist ein Pferd, das sich freut. Besonders im Frühjahr, wenn nach dem langen Winter die Hormone steigen, der muffige Stallgeruch dem frischen Weidengeruch weicht und der Körper plötzlich wieder Bewegung will, sind Freudenbuckler ganz normale Kommunikation. Ähnliches gilt bei jungen Pferden generell: Ein Freudenhüpfer beim ersten Angaloppieren ist eigentlich ein gutes Zeichen – es zeigt Energie, Motivation und Lebensfreude. Die Kunst liegt darin, den Unterschied zwischen harmlosem Übermut und ernstem Buckeln zu erkennen.
Kälte und Winter: Wenn Pferde aus der Haut fahren
Im Winter beobachten viele Reiter dasselbe Phänomen: Je kälter es draußen wird, desto explosiver wird das Pferd. Das liegt daran, dass Pferde eine andere Wohlfühltemperatur als Menschen haben – Kälte aktiviert sie, macht sie wach und spritzig. Hinzu kommt, dass die Bewegungsmöglichkeiten im Winter häufig stark eingeschränkt sind: kleinere Paddocks, gefrorene Böden, weniger Weidegang. Die aufgestaute Energie sucht sich beim Reiten ihren Weg – oft in Form von Buckeln. Das ist kein böser Wille, sondern ein Pferdekörper, der einfach zu viel Energie hat und zu wenig Gelegenheit, sie abzubauen.
Bewegungsmangel: Der stille Auslöser
Ein Pferd, das rund um die Uhr in der Box steht und täglich nur zur Reitstunde rauskommt, wird beim Reiten “Dampf ablassen”. Das ist physiologisch naheliegend: Bewegungsmangel führt zu Verspannungen, Verspannungen führen zu Schmerzen, Schmerzen und Energiestau führen zu Buckeln. Wer diesen Kreislauf durchbrechen will, braucht keine neue Ausrüstung, sondern mehr Auslauf. Täglicher Paddockgang, Weidezeit, Freilauf im Roundpen oder Longieren sind keine Extras – sie sind Grundbedürfnisse des Pferdes, die sich direkt auf das Verhalten unter dem Sattel auswirken.
Überforderung und erlerntes Verhalten: Wenn Buckeln zur Gewohnheit wird
Manchmal buckeln Pferde, weil sie schlicht nicht verstehen, was von ihnen verlangt wird. Wer mit widersprüchlichen Hilfen arbeitet – vorne festhalten, hinten energisch treiben – bringt das Pferd in eine Situation, aus der es keinen Ausweg sieht. Buckeln ist dann kein Angriff, sondern eine Verzweiflungsreaktion. Und: Manche Pferde haben irgendwann gelernt, dass Buckeln funktioniert – dass der Reiter absteigt (wenn auch unfreiwillig) und die Arbeit aufhört. Auch wenn der ursprüngliche Auslöser (etwa Schmerz oder Überforderung) längst behoben ist, bleibt dieses erlernte Verhalten oft bestehen. Hier ist konsequente, geduldige Arbeit gefragt – und manchmal professionelle Unterstützung.
Was tun, wenn das Pferd buckelt?
Vor allem eins: nicht bestrafen. Pferde handeln nie aus Boshaftigkeit. Wer ein buckelndes Pferd bestraft, ohne den Grund zu kennen, riskiert, das Vertrauen zu beschädigen und das Problem zu verschlimmern. Der erste Schritt ist immer Ursachensuche: Rücken abtasten, Sattel prüfen lassen, Magen abklären, Bewegung analysieren. Erst wenn Schmerzen als Ursachen ausgeschlossen sind, lohnt es sich, an Training und Management zu arbeiten.