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Kräutertipp: Kamille
© Adobe Stock / Christian Palent
Kräutersteckbrief:
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Deutscher Name |
Kamille (Echte Kamille, Feldkamille, Apothekerkamille) |
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Lateinischer Name |
Matricaria chamomilla (Syn. Matricaria recutita, Chamomilla recutita) |
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Traditionelle Anwendung |
Eine der ältesten bekannten Heilpflanzen, bereits im alten Ägypten und in der Antike geschätzt. Traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen, Krämpfen und Entzündungen der Schleimhäute eingesetzt, äußerlich für Umschläge, Spülungen und Bäder bei Wunden und Hautentzündungen, als Dampfbad bei Erkältungen. In der Volksmedizin zudem bei Unruhe, Schlafstörungen und Frauenleiden verwendet. Bei Pferden wird Kamille traditionell bei empfindlichem Magen, Blähungen, Kotwasser und Nervosität gefüttert, äußerlich als Waschung bei Hautreizungen, Mauke und kleinen Wunden. |
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Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung(en) |
Ätherisches Öl (0,4–1,5 %) mit α-Bisabolol, Bisabololoxiden, Matricin (wird bei der Destillation zum blauen Chamazulen) und En-In-Dicycloethern; Flavonoide (v. a. Apigenin und Apigenin-7-glucosid, Luteolin, Quercetin), Cumarine (Herniarin, Umbelliferon), Schleimstoffe, Phenolcarbonsäuren, Gerbstoffe |
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Kontraindikationen |
Nicht bei bekannter Allergie gegen Korbblütler. Nicht am Auge anwenden, da Kamillenblüten Allergene und Schwebstoffe eintragen können. Verwechslungsgefahr mit der Hundskamille, deren Inhaltsstoff Anthecotulid starke Kontaktallergien auslösen kann. Tragenden Stuten traditionell keine großen Mengen füttern. |
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Wann wird sie gesammelt? |
Die Blütenköpfe von Mai bis August, etwa drei bis fünf Tage nach dem Aufblühen, an trockenen, sonnigen Tagen um die Mittagszeit, wenn der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten ist. |
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Welche Pflanzenteile werden verwendet? |
Die Blütenköpfe; das Kraut spielt nur eine untergeordnete Rolle. |
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Wie wird sie zubereitet? |
Getrocknete Blüten direkt unter das Futter mischen oder als Tee aufbrühen: Blüten mit kochendem Wasser übergießen, abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen, damit das ätherische Öl nicht verfliegt, abseihen und lauwarm anbieten oder über das Futter bzw. ein getreidefreies Mash geben. Äußerlich als abgekühlter Tee für Waschungen. |
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Trivia |
1987 wurde die Kamille als erste Pflanze überhaupt zur „Heilpflanze des Jahres“ gekürt. |
Kräutertipp:
Die Kamille ist für viele das Heilkraut schlechthin, und auch in der Pferdefütterung gehört sie zu den bewährtesten Kräutern für Pferde. Kamille ist mild, sehr gut verträglich und wird von den meisten Pferden gern gefressen. Ihre Stärken liegen vor allem dort, wo Magen und Darm Unterstützung brauchen, deshalb sollte sie in keiner Stallapotheke fehlen.
Ihre Wirkung verdankt sie vor allem dem ätherischen Öl mit α-Bisabolol und Chamazulen sowie den Flavonoiden, allen voran dem Apigenin. Bisabolol und Chamazulen wirken entzündungshemmend und fördern die Heilung gereizter Schleimhäute. Gleichzeitig entspannen die Inhaltsstoffe die glatte Muskulatur des Verdauungstrakts und wirken so krampflösend und blähungstreibend, sodass Gase abgehen können. Apigenin bindet im Gehirn an dieselben Rezeptoren wie bestimmte Beruhigungsmittel und erklärt die sanft ausgleichende Wirkung, für die Kamillentee seit jeher geschätzt wird.
Besonders interessant ist Kamille für den Magen des Pferdes. Da Pferde rund um die Uhr Magensäure bilden, reagiert die Magenschleimhaut empfindlich auf lange Fresspausen, Stress und kraftfutterreiche Rationen; Magengeschwüre sind entsprechend weit verbreitet. In Tierversuchen schützte Bisabolol die Magenschleimhaut vor Geschwüren, die durch Stress, Alkohol oder entzündungshemmende Schmerzmittel ausgelöst wurden, und verkürzte die Heilungszeit bestehender Läsionen. In einer Studie an Pferden mit Magengeschwüren erzielte eine Kräutermischung, die neben Kamille unter anderem Süßholz, Eibisch und Pfefferminze enthielt, nach vier Wochen ähnliche Heilungsergebnisse wie das Medikament Omeprazol. Wer bei seinem Pferd Symptome für Magengeschwüre beobachtet, sollte das allerdings immer tierärztlich abklären lassen. Kamille ersetzt keine artgerechte, magenfreundliche Fütterung mit ausreichend Raufutter, kann die Futterumstellung aber sinnvoll begleiten.
Auch die Verdauung im weiteren Verlauf profitiert von Kamille. Bei Blähungen, leichten krampfartigen Bauchschmerzen, Neigung zu Kotwasser, milden Koliken oder nach Futterumstellungen kann sie den Darm beruhigen und so zur Darmgesundheit des Pferdes beitragen. Besonders bewährt hat sie sich bei nervösen Pferden, deren Stress sich direkt auf den Bauch schlägt, etwa in Form von stressbedingtem Kotwasser. Wichtig: Bei Anzeichen einer Kolik ist Kamille kein Ersatz für den Tierarzt.
Wann wird Kamille beim Pferd eingesetzt? Typische Situationen sind Stressphasen wie Transporte, Turniere, Stallwechsel oder Klinikaufenthalte, die Zeit des Anweidens und andere Futterumstellungen, die Gabe von Schmerzmitteln, die den Magen belasten, sowie Pferde, die generell zu Magenproblemen, Blähungen oder Kotwasser neigen. Äußerlich eignet sich abgekühlter Kamillentee für Waschungen bei Hautreizungen, Mauke und kleinen Wunden. Wie sich Kolikrisiken über die Fütterung vorbeugend senken lassen, ist ein eigenes Thema.
Kamille zu füttern ist unkompliziert. Für ein Großpferd von etwa 500 kg haben sich 10 bis 20 g getrocknete Kamillenblüten täglich bewährt, das entspricht etwa ein bis zwei gut gefüllten Handvoll. Ponys erhalten entsprechend etwa die Hälfte. Die Blüten werden einfach unter das Futter gemischt. In akuten Phasen kann Kamille kurmäßig über zwei bis vier Wochen gegeben werden, bei empfindlichen Pferden auch über längere Zeit.
Viele Pferde nehmen auch Kamillentee gern an. Für einen Kamillentee für das Pferd werden zwei bis drei Esslöffel Blüten mit einem Liter kochendem Wasser übergossen, zugedeckt 10 Minuten ziehen gelassen und abgeseiht. Lauwarm kann der Tee in einer separaten Futterschüssel angeboten werden. Alternativ lässt sich der Tee über das Futter geben oder zum Einweichen eines getreidefreien Mashs verwenden.
Achtung: An den Augen sollte Kamillentee nicht angewendet werden.
Nebenwirkungen sind bei Kamille selten, sie gehört zu den am besten verträglichen Heilkräutern für Pferde. Pferde mit einer Allergie gegen Korbblütler sollten allerdings keine Kamille erhalten. Beim Selbstsammeln ist Vorsicht geboten, denn die ähnliche Hundskamille enthält mit Anthecotulid einen Stoff, der starke Kontaktallergien auslösen kann. Tragenden Stuten wird Kamille traditionell nur in üblichen Mengen gefüttert. Bei Unsicherheiten helfen der Tierarzt oder ein Sanoanimal-Therapeut weiter.
Kamille lässt sich hervorragend mit anderen Kräutern kombinieren. Mit Fenchel und Kümmel entsteht eine klassische Mischung für die Verdauung, zusammen mit Eibisch und Süßholz eine schleimhautschützende Kombination für den Magen. Für nervöse Pferde passt Kamille gut zu Beruhigungskräutern wie Melisse.
Ein praktischer Tipp: Wer Kamille selbst sammeln möchte, achtet auf den hohlen Blütenboden, an dem sich die Echte Kamille sicher erkennen lässt. Die Blüten schonend im Schatten oder Dörrautomaten trocknen und anschließend luftdicht, trocken und dunkel lagern. Da das ätherische Öl mit der Zeit verfliegt, sollte der Vorrat spätestens nach einem Jahr erneuert werden.
Quellen:
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Fritz C: Kräuter, die Pferde fit machen. Sanoanimal Verlag 2024
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