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Kräutertipp: Mariendistel
© Adobe Stock / alinamd
Kräutersteckbrief:
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Deutscher Name |
Mariendistel (Frauendistel, Marienkörner, Stechkörner) |
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Lateinischer Name |
Silybum marianum (Syn. Carduus marianus) |
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Traditionelle Anwendung |
Bereits in der Antike als Heilpflanze bekannt; Wurzel und Kraut galten früher als harntreibend und brechenerregend. Im 19. Jahrhundert machte der Landarzt Johann Gottfried Rademacher die Früchte als Lebermittel bekannt, seine Tinktur aus den „Stechkörnern“ wurde bei Leber- und Milzleiden eingesetzt. In der Volksmedizin zudem bei Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Gallebeschwerden verwendet. Bei Pferden wird Mariendistel traditionell zur Unterstützung der Leber in Belastungsphasen gefüttert, etwa im Fellwechsel, nach Wurmkuren und Medikamentengaben oder bei Stoffwechselproblemen. |
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Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung(en) |
Silymarin (1,5–3 %), ein Flavonolignan-Komplex aus Silibinin A und B, Isosilibinin, Silichristin und Silidianin; Taxifolin, fettes Öl (20–30 %, reich an Linol- und Ölsäure), Phytosterole (u. a. Sitosterol), Tocopherole (Vitamin E), Eiweiß Leberschützend (hepatoprotektiv), antioxidativ, zellmembranstabilisierend, regenerationsfördernd auf Leberzellen (Anregung der Eiweißsynthese), entzündungshemmend, antifibrotisch, verdauungsfördernd, galleflussfördernd |
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Kontraindikationen |
Nicht bei bekannter Allergie gegen Korbblütler. Für tragende und laktierende Stuten liegen keine ausreichenden Daten vor. Bei gleichzeitiger Medikamentengabe Rücksprache mit dem Tierarzt halten, da Silymarin in hohen Dosen den Abbau bestimmter Arzneimittel in der Leber beeinflussen kann. In sehr hohen Mengen leicht abführend. Bei Pferden mit Entgiftungsstörungen (KPU) nur nach Rücksprache mit dem Therapeuten einsetzen. Erhöhte Leberwerte gehören immer zuerst tierärztlich abgeklärt. |
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Wann wird sie gesammelt? |
Die Fruchtstände im Spätsommer von August bis September, wenn die Blütenköpfe vertrocknen und sich die weißen Flughaare (Pappus) zeigen. Wegen der Stacheln nur mit festen Handschuhen ernten. |
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Welche Pflanzenteile werden verwendet? |
Die reifen Früchte, umgangssprachlich Samen genannt (botanisch Achänen), ohne Pappus. Früher auch Wurzel, Kraut und die jungen Blütenböden, die wie Artischocken als Gemüse gegessen wurden. |
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Wie wird sie zubereitet? |
Samen kurz vor dem Füttern frisch schroten oder mahlen und unter das Futter mischen, da ganze Samen sehr hart sind und vom Pferd kaum aufgeschlossen werden. Als Tee (zerstoßene Samen mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen) eher bei Verdauungsbeschwerden geeignet, da Silymarin kaum wasserlöslich ist. Mariendistelöl enthält praktisch kein Silymarin. |
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Trivia |
Der Legende nach stammen die weißen Adern auf den Blättern von der Milch der Jungfrau Maria, die auf die Pflanze tropfte. Daher der deutsche Name und das englische „milk thistle“. Der Gattungsname Silybum geht auf das griechische „silybon“ zurück, mit dem Dioskurides eine distelartige Pflanze bezeichnete. Gehört zur Familie der Korbblütler, kann über 2 Meter hoch werden und trägt pro Blütenkopf rund 200 purpurrote Röhrenblüten. Silibinin, ein Bestandteil des Silymarins, wird in der Humanmedizin als Gegengift bei Knollenblätterpilzvergiftungen eingesetzt, weil es die Aufnahme der Pilzgifte in die Leberzellen hemmt. |
Kräutertipp:
Eingesetzt wird Mariendistel beim Pferd vor allem, um die Leber zu unterstützen. Ihre Wirkung beruht auf dem Silymarin, einem Gemisch verschiedener Flavonolignane, von denen Silibinin das wichtigste ist. Silymarin fängt freie Radikale ab, stabilisiert die Membranen der Leberzellen und erschwert so das Eindringen schädlicher Stoffe. Gleichzeitig regt es die Eiweißsynthese in den Leberzellen an und fördert damit die Regeneration von bereits geschädigtem Gewebe. Wie wirkungsvoll dieser Schutzmechanismus ist, zeigt die Humanmedizin: Dort wird Silibinin sogar als Gegengift bei Knollenblätterpilzvergiftungen eingesetzt. Daneben regt Mariendistel die Verdauung an und kann bei Völlegefühl und Blähungen hilfreich sein.
Die Leber ist das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan des Pferdes, und es gibt eine ganze Reihe von Situationen, in denen sie besonders belastet ist. Dazu gehören der Fellwechsel, Wurmkuren, Narkosen und längere Medikamentengaben, etwa mit Schmerzmitteln oder Antibiotika. Auch schimmeliges oder mit Mykotoxinen belastetes Heu, Heulage oder Stroh, Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut mit seinen leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloiden, eine zu eiweißreiche Fütterung sowie Stoffwechselstörungen wie EMS und Cushing setzen der Leberfunktion des Pferdes zu. Bei leichtfuttrigen Ponys und Eseln kommen Fastenphasen hinzu, die oft eingesetzt werden, um das Gewicht zu managen, die eine gefährliche Hyperlipämie auslösen können. Erhöhte Leberwerte im Blutbild gehören immer zuerst tierärztlich abgeklärt.
Genau in diesen Phasen wird Mariendistel beim Pferd gefüttert: im Frühjahrs- und Herbstfellwechsel, begleitend zu Wurmkuren und Medikamenten und einige Wochen darüber hinaus, nach Sedierungen oder wenn der Verdacht auf belastetes Futter besteht.
Die Studienlage speziell beim Pferd ist noch überschaubar, aber ermutigend. In einer tschechischen Untersuchung zeigten Pferde, die acht Wochen lang Mariendistel-Presskuchen erhielten, niedrigere Werte des Enzyms AST als die Kontrollgruppe. Eine amerikanische Studie bestätigte, dass Silibinin auch in hohen Dosen gut verträglich ist, zeigte aber auch, dass Pferde nur einen kleinen Teil des Wirkstoffs aus dem Darm aufnehmen. Ein Teil des aufgenommenen Silymarins wird allerdings über die Galle ausgeschieden und im Darm erneut aufgenommen (enterohepatischer Kreislauf), sodass die Leber als erstes Organ immer wieder mit dem Wirkstoff in Kontakt kommt. In der Praxis beobachten wir jedoch häufig, dass Pferde mit einer Entgiftungsstörung im Sinne einer Kryptopyrrolurie (KPU) Mariendistel offenbar schlecht vertragen und mit Hautproblemen wie Nesselfieber oder sogar Hufrehe reagieren können. Daher sollte bei solchen Pferden vor der Gabe unbedingt Rücksprache mit einem kompetenten Therapeuten gehalten werden.
Häufig stellt sich die Frage, ob Mariendistelsamen oder Mariendistelöl für das Pferd besser geeignet sind. Für die Leber sind es eindeutig die Samen. Die relevanten Inhaltsstoffe, allen voran das Silymarin, sitzen überwiegend in der Samenschale und sind weder gut wasser- noch fettlöslich, sodass sie beim Pressen weitgehend im Presskuchen zurückbleiben. Mariendistelöl enthält deshalb praktisch kein Silymarin. Es ist zwar ein hochwertiges Öl mit viel Linolsäure und Vitamin E für den menschlichen Verzehr, für das Pferd aber kein Ersatz für die Samen.
Bei der Dosierung haben sich für ein Großpferd von etwa 500 kg 20 bis 30 g Mariendistelsamen täglich bewährt, das entspricht etwa zwei bis drei gehäuften Esslöffeln. Ponys erhalten entsprechend weniger, etwa 10 bis 15 g. Wichtig ist, die Samen frisch zu schroten oder zu mahlen und dann unter das Futter zu mischen, denn ganze Samen sind so hart, dass sie den Darm oft unverdaut passieren. Eine elektrische Kaffeemühle ist ideal für das frische Schroten der Samen. Alternativ kann man (Werbung) OKAPI Leberpflege geben, die aus reinem Mariendistelpresskuchen besteht und daher einen besonders hohen Gehalt an Silymarin aufweist.
Gefüttert wird Mariendistel üblicherweise als Kur über vier Wochen, gefolgt von einer Pause. Die Kur kann bei Bedarf wiederholt werden, bei dauerhaft belasteten Pferden ist auch eine längere Gabe möglich. Bei chronischen Belastungen empfiehlt sich die Abstimmung mit dem Tierarzt oder einem Sanoanimal-Therapeuten.
Nebenwirkungen sind - außer bei Pferden mit KPU - bei Mariendistel kaum zu erwarten, sie gilt als sehr gut verträglich. In der Studie an Pferden traten selbst bei hohen Silibinin-Dosen keine Vergiftungserscheinungen auf, in sehr großen Mengen kann Mariendistel allenfalls leicht abführend wirken. Pferde mit einer Allergie gegen Korbblütler sollten sie nicht erhalten. Bei tragenden Stuten oder bei gleichzeitiger Medikamentengabe ist Rücksprache mit dem Tierarzt sinnvoll.
Mariendistel lässt sich gut mit anderen Leberkräutern für Pferde kombinieren. Zusammen mit Löwenzahn, der den Gallefluss anregt, und Artischockenblättern entsteht eine klassische Lebermischung, Brennnessel ergänzt sie um eine harntreibende Komponente und bezieht so die Nieren mit ein. Ob pauschale Detox-Kuren ohne konkreten Anlass sinnvoll sind, beleuchtet ein eigener Artikel zu Detox-Kuren beim Pferd.
Ein praktischer Tipp: Ganze Mariendistelsamen sind trocken und dunkel gelagert lange haltbar. Am besten immer nur die Menge für wenige Tage schroten, denn sobald die Samen gemahlen sind, oxidiert das enthaltene Öl und wird schnell ranzig.
Quellen:
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- Hackett, Eileen S., David C. Twedt, and Daniel L. Gustafson. “Milk thistle and its derivative compounds: a review of opportunities for treatment of liver disease.” Journal of Veterinary Internal Medicine 27.1 (2013): 10-16. https://academic.oup.com/jvim/article/27/1/10/8451910
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- Tedesco, Doriana, et al. “Efficacy of silymarin-phospholipid complex in reducing the toxicity of aflatoxin B1 in broiler chicks.” Poultry Science 83.11 (2004): 1839-1843. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579119427168
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